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JBo
Novel: Natalie
Genre: Other Genres
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About JBo

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Europe :: Germany & Austria

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Joined: Oktober 31, 2006

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'06 '07 '08

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Excerpt: Natalie

Krümmel vertrockneten Landes hüpften über die rissigen Schollen aus Lehm, getrieben von den Winden, entfacht von der ewig gleißenden Sonne. Vereinzelt lehnten sich Felsen gegen den Strom aus warmer Luft und springenden Steinchen. Die eine Seite, glattgeschmirgelt von den Elementen, gleißte im Licht, warf gespiegelte Strahlen auf die Ebene. Diese jagten dahin – ruhelos, immer auf der Suche. Die Frage nach was – bedeutungslos.

Behutsam kippte er zur Seite, der Luftstrom umschmeichelte seine Federn. Schnell segelte er tiefer. Die weißen Federn, die wie ein Kragen um seinen Hals lagen, flatterten im Wind. Er spannte die Muskeln in seinen Schwingen, beendete den Sinkflug. Hier war es wärmer – die kühle Luft angenehm in den Sonnenstrahlen. Er blickte sich um, unter sich nur gelbe Steine, nichts bewegte sich. Jedenfalls nichts, was in seinen Speiseplan passte. Hinten am Horizont, wo die Sonne nachher versinken würde, die Gestalt bewegte sich immer noch, aber langsamer. Es spielte keine Rolle und er konnte warten. Er wartete seit er denken konnte, irgend etwas starb immer. Wäre sein knochiger, gebogener Schnabel zum Lächeln gemacht, er hätte es getan. Aber er lächelte nie – Fehlkonstruktion.

Die lauwarme Brühe quittierte jeden Schritt mit einem hellen Plätschern gegen die Wand der Flasche aus gebürstetem Aluminium. Die Platsche reihten sich an einander wie die Paukenschläge dieses Trauerzuges in New Orleans. Die kleine Nathalie hockte hinter dem Sofa, schaute ihren ersten Jmes-Bond-Film. Ihrer Mama waren die Augen zugefallen, ihre Atemzüge folgten dem Rhythmus.

Steine knirschten unter ihren Boots. Der Wind presste das Bein der Khakihose in ihre Kniekehle. Weiße Salzränder zierten Hemd, Hose und Hut. Die Jackenärmel baumelten verknotet vor ihrem Bauchnabel. Sie setzte einen Fuß vor den anderen, endlich hatte sie die Spur des Jeeps gefunden, stapfte ihnen hinterher. Was für ein toller Tipp, hatte sie hierher getrieben. Warum hatte sie nicht Andree gewartet. Aber es schien so sicher. Sie hing schon fast fünf Tage in dem Kral herum. Alle lachten sie immer an, zeigten ihre weißen Zähne. Andree war zurück nach Nairobi gefahren, seine Kamera hatte den Geist aufgegeben. „Morgen bin ich wieder da, du hälst hier die Stellung“, hatte er gelacht. Sie hatte die Stellung gehalten. Nichts war passiert. Sie lebte mit den Eingeborenen, notierte fleißig ihre Erlebnisse in dieser fremden Welt. Ein Gerücht hatte Andree in die Nähe des Äquators getrieben: Humintäre Organisation betreibt Waffenhandel. Als Blickfang hatte die Redaktion Natalie ihm zur Seite gestellt: Offiziell schrieb sie über das Leben in der Savanne.

Natalie stolperte, ein weiterer Stein vor ihren Füßen. Sie machte einen Schritt zur Seite und trottete weiter. Sie stöhnte, ihr Knie schmerzte wieder. Am Morgen hatte sie sich der Länge nach auf dem Boden wieder gefunden. Wenn sie zu tief Luft stach es in ihrer Brust. Sie war liegen geblieben, Tränen schossen ihr in die Augen. Die Schluchzer schüttelten ihren Körper. Ein Klack ertönte schräg hinter ihr. Erschrocken hatte sie den Kopf gewandt. Die Augen einer Drachenechse hatten sie angestiert. Hinter der Echse zog, aufgereiht wie an einer Perlenkette, eine Karawane Kamelreiter dahin. Sie kamen hinter einer Felsformation hervor und hielten genau auf den Punkt zu, an dem Natalie ihre unfreiwillige Wanderung gestartet hatte. Bis zum Sonnenaufgang hatte sie dort gewartet und gefroren. Zum erwarteten Treffen der Waffenhändler hatte sich niemand blicken lassen. Und ihr Informant hatte sie nicht abgeholt. Mit dem Funkgerät hatte sie niemanden erreicht. Eine Stufe im Boden verdeckte die Reiter fast. Die Eidechse zischte heiser, peitschte ihren Schwanz auf den Boden. Natalie zuckte. „Wie ein Zirkuspferd beim Knall der Peitsche“, dachte sie. Die Kamelreiter hielten an. Der Wind trug ihre Stimmen bis zu Natalie. Der Anführer hob einen Gegenstand an seine Augen. Kurz spiegelte sich die Sonne darin. Er bewegte den Kopf in alle Richtungen. Ein anderer Kamelreiter hielt neben ihm. Natalie erkannte das helle Holz des Kolbens einer Flinte aus einer Satteltache ragen. Natalie presste sich noch stärker auf den Boden. Ein Stein stach ihr in die Wange. Der Anführer senkte das Fernglas und trank aus seiner Flasche. Natalies dachte an ihren trockenen Mund. Sie schloss die Augen, ihr Hals schmerzte vom verdrehten Nach- Hinten-Beobachten. Sie presste die Stirn auf die heißen Steine. „Es geht weiter, es geht weiter“, dachte sie.

Die Eidechse verschand, die Karawane auch – ihr Durst blieb. Es war weiter gegangen. Inzwischen holprig und ohne zu denken. Besser weiter als liegen bleiben und auf die Versehung warten.

Die Sonne hing über dem Horizont.Sie würde untergehen und dann kämen die wilden Tiere – Beute holen. Der Wind schlief schon. Unter Natalies Sohle knackte ein verdorrter Grashalm. Ein Flugzeug flog vor der Sonne dahin. Natalie blieb stehen. Der Kondensstreifen teilte den Himmel, langsam blühte er auf, würde verblassen. Natalie schritt weiter, an vergängliches wollte sie nicht denken. Ihre Flasche war leer, die Ebene ging abwärts, die Reifenspuren verschwunden. Dornen grabschten ihren Schnürsenkel, bohrten sich in die Fasern, hielten in fest.

Die Hände packten Natalie, gaben ihr Halt. Große, warme Hände, dunkle Häarchen kräuselten sich auf dem Handrücken. „Hoppla, junges Fräulein“, lachte eine dunkle Männerstimme. Starke Arme hoben sie hoch, einer legte sich um ihre Taille, druckte angenehm. Er schob sie zu einer freien Bank im Biergarten. Der Wind spielte mit den Blättern der Bäume. Die Bank schaukelte und quietschte als sie sich setzte. Warum war ihr komisch? Der Schatten entfernte sich. Er würde wieder kommen - mit Wein und Flammküchen. Fackeln entzündeten sich. Eine Frau juchzte, schrill, verzerrt. Die Stimme kenne ich, dachte Natalie, schaute sich um. Sie war allein. Etwas strich über ihre Wange. Sie wußte – sein Handrücken. Die Haut brannte. Natalie legte die Hand auf die Wange, erstickte den Schmerz. Sie atmete aus, schaute auf ihre Handfläche, die Lebenslinie leuchtete blutig rot. Langsam, ganz langsam trocknete das Blut, bildete eine braune Rinne. Natalie stand auf einem Steg. Wellen plätscherten unter ihren Füssen. Der weiße Rumpf eines Segelbootes glitt auf sie zu. Ein Tau flog auf sie zu, bildete eine Schlaufe, legte sich um ihren Hals. Das Boot würde sie rammen. Eine Schweißperle rannte über ihren Nasenrücken, rief: „Lauf weg! Gleich hat er Dich!“ Natalie drehte sich um, setzte einen vor vor den anderen. Das Seil fiel runter, tauchte ins Wasser. Honigfarbenen Schlick quatschte zwischen ihren nackten Zehen, wollte sie nicht gehen lassen.

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