About CatastropheLocation: Munich, Germany Home Region: Age:36 Non-noveling interests: Dancing, Reading |
Joined: Oktober 5, 2004 This Year: Official Participant NaNoWriMo History: NaNoWriMo posts: 66 NaNoWriMo buddies: 0
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Synopsis: Baumzeit
We are the forest. This is our story. Told by a human, and therefore flawed, of course.
For a long time we stood and watched and remembered. For thousands of years we have been waiting, waiting for the day humans will be ready to listen to us. The time has not come yet.
This is the story. Listen and remember.
A man who lost his memory and a forest with a memory reaching back thousands of years. A forgotten dream and a girl who lives for revenge. Way to many secrets and not nearly enough hope. Quo vadis humanity?
Wir sind der Wald. Dies ist unsere Geschichte. Von einem Menschen erzählt und daher natürlich fehlerhaft. Lange Zeit haben wir beobachtet und uns erinnert. Jahrtausendelang haben wir gewartet, gewartet auf den Tag an dem die Menschen bereit sind uns zuzuhören. Aber die Zeit ist noch nicht gekommen. Dies ist die Geschichte. Hör zu und erinnere dich.
Ein Mann der sein Gedächtnis verloren hat und ein Wald dessen Gedächtnis Jahrtausende zurück reicht. Ein vergessener Traum und ein Mädchen dass nur ein Ziel hat: Rache. Viel zu viele Geheimnisse und nicht annähernd genug Hoffnung. Quo vadis, Menschheit?
Und all dies hat natürlich nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem was am Ende dabei rausgekommen ist. Oder vielleicht doch?
Excerpt: Baumzeit
Der Mann schlug die Augen auf, doch er sah nur verschwommene Schatten. "Ein Traum", sagte er leise und verwirrt. "Es war alles nur ein seltsamer Traum. Träume. Bäume. Sprechende Bäume.", murmelte er bevor er der Wirklichkeit wieder entglitt.
"Deine Vorfahren, Mensch", sagte die Stimme wieder. "Das wart ihr, Millionen von Jahren später. Zunächst beobachteten wir euch nur mit dem selben Interesse wie alle anderen Tiere auch. Aber dann habt ihr begonnen euch zu verändern. So schrecklich lange schienen wir die einzige Intelligenz auf diesem Planeten zu sein. So einsam waren wir. So sehr sehnten wir uns nach Gesellschaft. Und für kurze Zeit, ein paar tausend Jahre nur, schien als würde unsere Hoffnung Früchte tragen. Dann aber hörten die Menschen auf sich weiter zu entwickeln, und wir mussten uns eingestehen dass die Menschen immer Tiere bleiben würden. Intelligente Tiere, ja, aber eben auch nicht mehr als das.
Der Mann wachte auf. Die Nacht war vorbei und die Wintersonne schien in die einfache Hütte. Wo war er? Und wie war er dort hingekommen? Dann fiel ihm auf dass er noch etwas sehr viel wichtigeres nicht wusste: Wer war er? Er musste doch seinen eigenen Namen wissen!
Der Mann setzte sich auf, wollte aufstehen um in der Hütte nach Antworten zu suchen. Doch bei dem Versuch verlor er erneut das Bewusstsein und er fiel zurück auf das Bett.
"Verschwindet aus meinem Kopf. Wer seid ihr?"
"Willst du eine Erklärung oder sollen wir verschwinden?" Die Stimme klang belustigt.
"Was habt ihr mit mir gemacht?" Er war ganz sicher nicht belustigt. Wurde er langsam verrückt? Oder war dies alles nur ein einziger, endloser Alptraum aus dem er nicht aufwachen konnte?
"Verzeih, wir hatten, wie gesagt, nicht bedacht wie empfindlich ihr seid. Der letzte Mensch, der mit uns reden konnte, ist schon fünfzehn Jahre tot. Wir vergessen nichts, aber manchmal machen auch wir Fehler."
"Wer. Seid. Ihr? Ich will eine Erklärung, verdammt noch mal. Und ich will mein Gedächtnis zurück. Und meine Stimme."
"Langsam, langsam. Dass ihr Menschen es auch immer so eilig habt. Weißt du wirklich nicht wer wir sind?"
"Die Bäume." Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen. All die seltsamen Träume.
"Ah!"
"Ich rede mit einem Haufen holziger Bäume? Ein Haufen dummes Grünzeug ist schuld daran dass ich hier liege?"
"Vielleicht sollten wir besser morgen wieder kommen. Oder übermorgen. Wir haben Zeit, viel Zeit. Die dummen, holzigen Bäume sind auch in hundert Jahren noch da. Hmpf."
"So geht es nicht. Ihr könnt mir nicht mein Gedächtnis und meine Stimme nehmen und mich dann einfach hier liegen lassen."
"Können wir nicht?"
"Bitte!"
"Na also, schon besser."
"Was habt ihr mit mir vor?"
"Ah, die erste sinnvolle Frage. Die Menschen hören dir zu. Wir brauchen einen Menschen dem die anderen Menschen zuhören."
Er wurde neugierig. "Ihr sagt, die Menschen hören mir zu. Warum? Wer bin ich? Und wie sollen mir die Menschen zuhören wenn ich keine Stimme habe?" Er muste ein ziemlich wichtiger Mensch sein, wenn die Leute ihm zuhörten. Aber dann wurde er bestimmt schon vermisst, irgendwo da draußen suchten sie bestimmt schon nach ihm.
"Du bekommst deine Stimme wieder. Keine Sorge, wir bringen alles in Ordnung."
"Wer bin ich?"
"Du bist du, reicht das nicht?"
"Wer war ich bevor ihr euch in mein Leben eingemischt habt? Was war ich? Und warum brauchen die Bäume einen Menschen dem die anderen zuhören?"
"Weil die Menschen den Traum vergessen haben. Weil sie nur noch damit beschäftigt sind sich gegenseitig umzubringen. Ihr seid seit Hunderten von Jahren kaum mehr als ein Rudel Wölfe die sich um ein totes Reh balgen. Wir können euch all das Wissen zurückgeben dass ich verloren habt. Wir können aus euch wieder zivilisierte Menschen machen. Aber nur wenn ihr aufhört euch gegenseitig umzubringen. Ohne Frieden kein Fortschritt. Ohne Fortschritt keine Hoffnung."
"Ich verstehe kein Wort. Was war ich?" Wer war er dass diese Bäume ihm zutrauten er könnte alle Kriege beenden? Ein Heerführer? Das Oberhaupt einer wichtigen Sekte? Ein religiöser Anführer? Oder doch ein weltlicher? Wer konnte so viel Macht haben alle Kriege zu beenden?
"Du warst ein Geschichtenerzähler."
"Was?" Er musste sich verhört haben.
"Du bist von Ort zu Ort gezogen und hast den Leuten Geschichten erzählt. Und sie haben dir zu Essen gegeben und manchmal einen Platz zum Schlafen."
"Ihr seid verrückt. Oder ich bin verrückt. Oder all dies ist nur ein verrückter Traum. Ein heimatloser Vagabund soll den Menschen den Frieden bringen? Ein Hungerleider der um etwas zu Essen bettelt?"
"Ein Geschichtenerzähler. Einer dem die Menschen zuhören."
"Ein stummer Geschichtenerzähler, der nicht mal seinen eigenen Namen kennt. Eine grandiose Idee. Für die Geschichte würden mir die Leute nicht mal ein Stück altes Brot geben, wenn ich sie ihnen erzählen könnte.."
"Wir geben dir Geschichten, wir geben dir eine Stimme. Hab Vertrauen. Hab Geduld."
"Und meinen Namen, krieg ich den auch wieder? Und mein Gedächtnis?"
Doch die Stimmen schwiegen.
Er träumte wieder.
Eine Straße, links und rechts davon Häuser. Nein, Ruinen von Häusern. Einige waren völlig ausgebrannt, bei allen fehlten die Fensterscheiben, bei den meisten die Türen, nur noch wenige hatten ein Dach.
Zwischen dem Gehweg auf der einen Straßenseite und der Straße hatte einmal eine Reihe Bäume gestanden, jetzt waren dort nur noch Baumstümpfe. Die Mittagssonne brannte auf zwei Frauen hinunter die die Straße entlang rannten. Geschickt vermieden sie es in eines der zahlreichen Schlaglöcher zu treten, immer wieder warfen sie kurze Blicke nach links und rechts. Die kleinere der beiden Frauen, die einen zerrissenen Rock und eine geflickte Bluse trug, die vielleicht einmal rot gewesen war, hielt einen Karton eng an ihre Brust gepresst. Die größere der beiden hielt ein Messer in der rechten Hand.
Da sprangen plötzlich drei Männer aus einer der Ruinen die die beiden Frauen gerade passiert hatten. Sie stürzten sich von hinten auf die beiden Frauen. Diese leisteten erbitterte Gegenwehr. Einer der Männer entriss der Frau das Päckchen, daraufhin zog diese sofort ein Messer aus dem Bund des Rockes und stach auf den Mann ein. Dieser schrie auf und lies das Päckchen fallen.
In diesem Moment schoss eine kleine Gestalt aus der Deckung einer halb verfallenen Mauer. Sie stürzte auf die Kämpfenden zu, wich geschickt einem Fuß aus der sie beinahe ins Gesicht getroffen hätte, ergriff das Päckchen und war wieder verschwunden bevor die Kämpfenden begriffen hatten was los war. Bei der halb verhungerten Gestalt schien es sich um ein Mädchen zu handeln, vielleicht zehn oder elf. Aber es war schwer zu sagen. Ihre dunklen Haare sahen aus als hätte sie jemand hastig mit einer Schere abgeschnitten. Schnell rannte sie davon und verschwand in einem Kellerschacht.
///
"Nun komm schon Sasse, es reicht für heute", sagte einer der Kameraden. "Wir haben uns unser Bier redlich verdient. Du kannst morgen noch den ganzen Tag mit dem neuen Spielzeug spielen."
"Unsere Sasse hat wohl Angst dass einer von uns plötzlich besser trifft als sie.", spottete ein anderer.
Sasse ließ sich von dem gutmütigen Spott nicht beirren und schoss auch den Pfeil, den sie gerade aufgelegt hatte, ruhig und konzentriert Richtung Zielscheibe. Trotzdem ging er gut einen Meter daneben. "Mist", sagte sie laut. "Okay, ihr habt recht. Ich gebe es auf. Ich sammel nur noch die Pfeile ein die ich in der ganzen Botanik verstreut habe, dann komm ich nach."
"Beeil dich lieber", sagte einer, "mehr als ein Bier heben wir auch für unsere beste Bogenschützin nicht auf."
"Du meinst für eure einzige Bogenschützin", sagte Sasse.
Natürlich lagen ihre Pfeile nicht weit verstreut, sondern alle lagen dicht vor, hinter oder neben der Scheibe auf die sie geschossen hatte. Bis auf die, die im Ziel steckten, natürlich. Drei der Pfeile die sie aufsammelte trugen nicht ihre rot-blau-gelbe Markierung sondern die grün-gelb-rote Marcellos. Sie grinste also sie die Pfeile aufhob, heute Abend würde sie ihr Bier nicht selber zahlen müssen.
Als sie zurückging um ihren Bogen aufzuheben stand dort ein Mädchen von vierzehn, vielleicht fünfzehn Jahren. Ihr Kleid war einfach und an mehreren Stellen geflickt, aber es war sauber. Sie war dünn aber nicht so dürr als ob sie öfter hungern müsste.
"Was willst du?", fragte Sasse.
"Was muss ich tun um so gut zu werden wie du?"
Sasse seufzte. "Du musst spätestens mit vier Jahren anfangen zu üben. Du musst das erste mal auf einen Menschen schießen wenn du sechs Jahre alt bist und du musst den ersten Menschen töten bevor du zehn bist. Ich fürchte du bist mindestens zehn Jahre zu spät dran."
"Lass es mich wenigstens versuchen, bitte."
"Ich hab keinen Kinderbogen da zum Spielen. Geh heim, Kühe melken, oder was auch immer."
"Einen Versuch nur, bitte."
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Sie kauerte in der hintersten Ecke des Dachbodens, hinter einem Berg alten Gerümpels. Zwischen den einfachen Bretter konnte sie ein Stück Himmel sehen, Himmel und einen Teil vom Schacht zwei.
Vielleicht hatte sie Glück und sie würden sie hier nicht finden. Vielleicht konnte sie sich hier verstecken bis zum Abend. Und dann? Sie wusste es nicht. Sie musste fort, irgendwo hin. Sie konnte nur hoffen dass sie sie nicht fanden. Sie wusste was sie mit Verrückten machten, mit Leuten die Stimmen hörten. Sie wusste nicht mehr genau wann es angefangen hatte, wann die Stimmen zuerst in ihrem Kopf aufgetaucht waren. Aber sie hatte immer gewusst dass sie niemand etwas davon sagen durfte. Sie wollte nicht so enden wie der verrückte Karl, dem sie das Bier über den Kopf gossen und den sie dann auslachten. "Er merkt es ja doch nicht", sagten sie, "der ist a völlig irre." Völlig irre, so wie sie. All die Jahre hatte sie es geheimgehalten, hatte niemanden etwas gesagt.
Sie glaubte es hatte angefangen nachdem die Mutter gestorben war, und der Vater gesagte hatte sie müsste sich jetzt um die Kleinen kümmern. Vielleicht waren sie auch schon vorher da gewesen, aber vorher hatte sie nie auf sie gehört. Aber sie war so verzweifelt gewesen damals. Der Vater war den ganzen Tag unter Tage und die kleinsten schrien vor Hunger und sie konnte doch nur Griesbrei kochen. Und sie hatten keinen Gries mehr. Und sie hatte gewusst dass der Vater wütend werden würde wenn er abends hungrig heimkam und nichts zu essen da war.
Da hatten ihr die Stimmen gesagt was sie mit den Kartoffeln machen sollte, und wie sie die dicke Soße machen sollte, die der Vater so gerne aß. Und der Vater war so stolz auf sie gewesen, auf sein 'großes Mädchen' wie er sagte. Obwohl sie gar nicht groß war und immer einen Hocker nehmen musste damit sie an die Sachen oben im Regal herankam.
All die Jahre hatte sie geschwiegen, aber was hätte sie denn heute tun sollen? Sie hatte mitbekommen dass die Erwachsenen die Suche nach den Verschütteten schon abbrechen wollten. "Die Erde fordert ihre Opfer, für dass was ihr entrissen wird", hatten sie gesagt. Und sie, sie allein hatte gewusst dass der Vater und der Bruder noch lebten, noch dort unten saßen und auf Hilfe warteten. Weil die Stimmen es ihr gesagt hatten, und die Stimmen irrten sich nie.
Ja, sie hatten nach Überlebenden gesucht, aber an der völlig falschen Stelle, weil sie nicht wussten, nicht wissen konnten, wohin das Grüppchen Überlebender sich gerettet hatte. Das wusste nur sie, Lauri.
Was hätte sie denn tun sollen? Hätte sie warten sollen bis die Stimmen ihr erzählten wie die Männer langsam starben? Wie der geliebte Bruder langsam starb, weil sie Lauri zu feig war etwas zu sagen? Also hatte sie es ihnen gesagt, hatte gesagt dass die acht Männer im mittleren Querstollen festsaßen, und war dann nur lange genug geblieben um sicher zu gehen dass sie ihr auch glaubten.
Wieder und wieder hatte sie es wiederholt. "sie leben, sie sind dort unten, sie warten auf die Suchtrupps, ich weiß es, bitte, ich weiß es wirklich, ihr müsst mir glauben, sie sind wirklich dort, noch leben sie. Beeilt euch doch, bitte!" Sie waren es nicht gewöhnt auf kleine Mädchen zu hören, aber irgendwann hatte dann doch einer auf sie gehört.
"gut, sehen wir nach", hatte einer gesagt, "sonst kann ich bis an mein Lebensende nicht mehr ruhig schlafen. Aber Gnade dir Gott, wenn du dir das alles nur ausgedacht hast, Kind."
Sie würden die Männer dort finden, sie würden sie finden und retten und sie würden wissen dass sie recht gehabt hatte. Und dann? Dann würde sie ihnen erzählen müssen warum sie es gewusst hatte und dann würde sie ihnen von den Stimmen erzählen müssen. Und dann?
Lauri weinte leise. Noch konnte sie nicht fortlaufen, sie musste erst sicher sein dass sie den Bruder und den Vater sicher nach oben brachten.
Irgendwann hatte sie sich wohl in den Schlaf geweint, denn als sie die Augen wieder öffnete war es draußen dunkel. "Stimmen?", flüsterte sie leise, "seid ihr da? Hört ihr mich?"
"Wir sind immer da, kleines, das weißt du doch." Es stimmte, sie schienen immer da zu sein, in ihrem Kopf, aber solange sie im Haus war, waren die Stimmen irgendwie leiser. Draußen waren sie lauter, deshalb ging Lauri nicht mehr gerne hinaus. Nein, es war eher so als wären es im Haus nur zwei oder drei Stimmen, die gleichzeitig sprachen, draußen waren es viel mehr. Im Sommer hatten sie einmal ein Picknick im Park gemacht, da hätte sie sich am liebsten die Ohren zugehalten, obwohl sie wusste dass es nichts nutzte.
"Haben sie sie schon gefunden", fragte sie leise.
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Nein, dies ist nicht das Ende. Dies ist, genaugenommen, nicht einmal ein Anfang. Es ist nur ein weiterer kleiner Schritt hin zu einem unendlich weit entfernten Ziel. In jeder klaren Nacht schauen wir hinauf, hinauf zu den Sternen. Und wir wissen dass dort oben irgendwo unsere Zukunft auf uns wartet. Und irgendwann werden wir unser Ziel erreichen. Und dann wenn wir angekommen sind, wird es wieder nur der Anfang eines neuen Anfangs sein. Die Menschen träumen alle von diesem oder jenem Ende dass sie erreichen wollen. Aber das Ende ist nicht unser Ziel. Unser Ziel liegt darin dass es nie ein Ende geben wird, sondern nur eine endlose Folge von immer neuen Anfängen.
So wie in jedem Frühling alles Leben von neuem beginnt. Endlos. Auf ewig. Immer.


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