Glowing Halo
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About the author
chaosqueen
Novel: Das Jahr der Schafe (The Year of the Sheep)
Genre: Literary Fiction
50,167 words so far   Winner!

About chaosqueen

Location: Kiel, Germany

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Europe :: Germany & Austria

Age:30

Website: http://chaosalive.blogspot.com/

Favorite novels: Die Mitte der Welt, Gefährliche Geliebte, Die Korrekturen, Schöne Verhältnisse ...

Favorite writers: Haruki Murakami, Andreas Steinhoefel, Edward St Aubyn, ...

Favorite music: Massive Attack, Sigur Ros, Loreena McKennitt, Nightwish, Within Temptation, Naked Raven, Chinchilla Green...

Non-noveling interests: Diving, reading, photography...

Joined date: Oktober 22, 2004

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Years won NaNoWriMo:
'04

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Das Jahr der Schafe (The Year of the Sheep)
an excerpt

Ein Schaf hat mir das Herz gebrochen.
Jetzt wird es mühsam von einem groben Wollfaden zusammengehalten und kratzt bei jedem Klopfen. Schlimmer jedoch ist, dass es überall Schafe gibt. Niedliche Figuren, Postkarten, Werbung, Filme - Schafe sind überall, und jeder liebt sie.
Aber das war ja auch nie das Problem, ich habe ihn immer geliebt. Von dem Moment an, wo ich glaubte, mir sicher sein zu können, habe ich ihn geliebt. Habe meine Zukunft in seine Hände gelegt, ihm vertraut, mich so weit fallengelalssen, wie nie zuvor.
Nun habe ich Scherben in der Brust und tausend Träume, wie es weitergeht. Jede einzelne Option ist möglich, kaum eine wahrscheinlich. Keine will ich aufgeben. Ich lebe, das ist nicht selbstverständlich. Aber was ist ein Leben wert, dessen große Liebe leichtfertig weggeworfen wurde? Wurde sie weggeworfen? War es leichtfertig? Hat nicht jeder ein Recht auf seinen freien Willen, hat nicht erst Recht jeder ein Recht darauf, etwas zu retten, was schon lange da ist?
Ja, sicher. Aber die Reihenfolge war verkehrt. Erst sie, dann ich, das wäre fair gewesen. Und was habe ich mir den Mund fusselig geredet - schon wieder Wolle! -, dass er mit ihr reden, es ihr sagen soll. Um seinetwillen, um ihretwillen, aber natürlich auch um meinetwillen. Dass er mir nie weh tun wollte, glaube ich noch heute, und doch wusste ich von Anfang an, dass er es nur auf einem Wege hätte verhindern können. Diesen hat er gewählt und ist dann doch gegangen. Feigling. Feigling?
______________________

"Hast du mit ihm geschlafen?"
"Ja."
"Wann zum ersten Mal?"
"Zwei Wochen, nachdem du mich verlassen hast."
"Das ging ja schnell." Seine Stimme klingt hart, höhnisch.
"Ich war einsam. Er war da, im Gegensatz zu dir."
"Hast du dich in ihn verliebt?"
"Auch das, ja." Ich sehe ihm direkt in die Augen, will seinen Schmerz sehen und weiß doch nicht, ob er mich befriedigt oder ebenfalls verletzt.
"Dann liebst du mich also nicht mehr."
Ich lache kurz und trocken. Es klingt wie ein Schnauben. "Du solltest doch von allen am besten wissen, dass man sich verlieben kann, obwohl man noch jemand anderen liebt."
"Ja, vielleicht sollte ich das. Aber ich habe Vera nicht mehr geliebt, als ich dich kennengelernt habe."
"Und doch hast du dich sogar für sie entschieden. Das werde ich wohl nie begreifen - wie man einen Menschen lieben und trotzdem verlassen kann. Nachdem alles klar war."
"Ich habe es dir doch schon so oft erklärt. Ich habe durch dich die Mauern in meinem Leben eingerissen. Ich habe begriffen, was ich bisher immer falsch gemacht hatte. Ich konnte nicht erneut weglaufen."
"Bist du aber, je nach Perspektive. Du bist vor mir weggelaufen, vor dem Neuen, Unbekannten, und vielleicht vor deinem Glück. Hast du dich nie gefragt, was geworden wäre, wenn du dich für mich entschieden hättest?"
"Sie hätte mir das Leben zur Hölle gemacht."
Ich widerstehe nur mühselig dem Impuls, ihm eine zu scheuern. "Du bist also wirklich der Feigling, für den ich dich nie halten wollte. Vielleicht ist es gut so, dass wir nicht zusammen sind, wer weiß, welche deiner Seiten ich noch hätte entdecken müssen. Obwohl ich so vieles weiß und dich dafür nie verachtet habe. Vielleicht hätte ich auch mit all den anderen Leichen in deinem seelischen Keller gut leben können."
"Ja, vielleicht. Wahrscheinlich sogar. Du bist einfach zu gut für diese Welt, zu gut für mich."
"Das ist einer dieser unbarmherzigen Trostsätze, die ich nie wieder von dir hören will. Was kann ich mir denn davon kaufen, dass ich so toll bin, dass du mich nicht verdient hast? Darf ich nicht selber entscheiden, wen ich lieben will, mit wem ich mein Leben verbringen will? Warum muss ich immer zurückstecken, und warum wird mir immer wieder gesagt, wie toll ich bin? Scheiß drauf, steck dir den Heiligenschein sonstwo hin, ich will ihn nicht. Ich will dich. Ja verdammt, schau mich nicht so an, ich will dich noch immer. Und dass ich den Kontakt zu dir abgebrochen habe, um mich selber zu schützen, war vielleicht das Dümmste, was ich je getan habe. So konnte sie dich wieder einlullen und du musstest dich nicht damit auseinandersetzen, mich verletzt und verloren zu haben. Du musstest meine Liebe nicht mehr ertragen und konntest dich mit der Hoffnung trösten, dass es mir gut ginge." Ich hole tief Luft, starre ihn wütend an und drehe mich weg, als er seine Hand hebt, um mir eine Träne wegzuwischen.
"Fass mich nicht an!", fauche ich. Fass mich nicht an, denn dann will ich, dass du mich nie mehr los lässt. Verbotene Gedanken, noch immer. Ich hasse dich, weil ich nicht aufhören kann, dich zu lieben.

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Er steht auf, lässt mich allein. Meine Gedanken rasen. Liebt er mich noch? Aber wird das seine Entscheidung ändern, obwohl er sie schon vor einem Dreivierteljahr getroffen und seitdem nicht umgestoßen hat? Liebe ich ihn noch? Unter welchen Bedingungen möchte ich ihn zurück? Würde ich doch noch mit Vera an diesem Mann zerren, bis er zerreißt oder eine von uns nachgibt? Aber das hatte ich bereits. Ich hatte mich auf den kaukasischen Kreidekreis besonnen und losgelassen, weil ich ihn liebe. Der Kaukasische Kreidekreis lügt, denn wer loslässt, verliert. Ich leide seit neun Monaten und komme nicht von einem Mann weg, den ich schon lange verloren habe.
Mein Kopf glüht, ich muss schwimmen, abkühlen, erneut versuchen, den Tag zu überstehen. Ich springe wieder in den Pool, die Kälte nimmt mir fast den Atem, aber ich schwimme, fünf Bahnen, zehn, zwanzig. Immer weiter, bis ich meinen Körper nicht mehr spüre und meine Gedanken sich nur noch auf das Zählen der Bahnen konzentrieren.

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