Eluin
Synopsis
Jalen ist eine Nebelelfe und auf dem Weg zur Priesterin ausgebildet zu werden. Sie soll die Nachfolgerin der Nebelkönigin werden, doch niemand ahnt, dass alles ganz anders kommen wird. Arunas und Yunalesca haben schließlich ebenfalls großen Einfluss auf den Lauf der Zukunft.
Zum Zeitpunkt von Jalens Ernennung wird deutlich, dass sich die Friedenszeiten in Salendria dem Ende entgegen neigen und ihr nicht viel Zeit bleibt, ausgebildet zu werden. Doch die Symbravögel berichten den Elfen, dass sie möglicherweise einen Krieg verhindern können, wenn sie sich an die alten Geheimnisse des Lebens erinnern.
Gemeinsam steuern Jalen, Arunas und Yunalesca in eine ungewisse Zukunft. Noch wissen sie nicht, welchen Platz sie in der Welt einnehmen werden und welche Rolle ihnen das Schicksal zugedacht hat. Doch die Zukunft ist näher, als sie zu hoffen wagen.
Excerpt
1. Kapitel - Die Nacht der Fledermäuse
Nebel steigt aus den Wiesen empor. Die weißen Dunstschleier tanzen im Mondlicht und hüllen die Gräser in ihre sanfte Umarmung. Beinahe jede Nacht schmiegen sich Gräser und Nebelschwaden aneinander und verharren in inniger Liebkosung bis der Morgen graut. Einzig in Neumondnächten lassen sie voneinander ab und ein jeder begrüßt den Mond auf seine Art.
Beginn der Erzählung von Tamii,
aus dem Sagenkreis der Nebelelfen bei Salmia
Auch in dieser Nacht erneuert sich wieder der Mond und die Nebelelfen bereiten sich darauf vor einem ihrer ältesten Rituale zu folgen. Jalen ist eine von ihnen. Doch noch ahnt sie nicht, dass an diesem Abend für sie ein Weg beginnen wird, wie ihn nie zuvor ein Nebelelf beschritten hat. Dies ist ihre Geschichte…
Das letzte Licht des Tages verschwand allmählich hinter den Baumwipfeln des entfernten Waldes. Noch zeugte ein roter Feuerball von der Wärme des Tages. Doch mit dem Einbruch der Dämmerung frischte es auf und aus den Sümpfen erhoben sich weiße Schleier. Die Nebelschwaden zogen träge Kreise auf der Oberfläche der Teiche, die sich in der Moor und Sumpflandschaft gebildet hatten. Binsen und Röhricht wogen im Wind und erzeugten ein gleichmäßiges Rauschen, dass sich mit dem Rascheln der Blätter von Büschen und den vereinzelten Bäumen vermischte. Auch die Tierwelt blieb nicht still. Frösche quakten und in den Gräsern zirpten Grillen. Einige Gänse hatten sich zum Niesten in die Sümpfe zurück gezogen und flogen im letzten Abendlicht schnatternd ihre Kreise.
Einige Glühwürmchen nutzten den Abend um einen neuen Partner anzulocken, doch manche von ihnen hatten einem ganz anderen Ziel ihre Aufmerksamkeit gewidmet: Einer jungen Elfe, die auf einem umgekippten Baumstumpf saß. Bläulich schimmernde Stoffbahnen verhüllten ihren Körper und raschelten bei jeder ihrer Bewegungen. Eng lag der Stoff an ihrem Oberkörper an. An ihren Beinen weitete sich das Kleid und ließ stellenweise den Blick auf ihre Beine frei. Ihre Füße waren nackt, bis auf ein zierliches Silberkettchen um ihr linkes Fußgelenk. Ihre Arme, Beine und das Gesicht waren mit blauvioletten Blüten und Ranken verziert. Doch diese versteckten keineswegs ihre tiefblauen Augen, die im Licht der letzten Sonnenstrahlen glänzten und jeden Betrachter in ihren Bann zogen. Lebensfreude, Geduld und Wissbegier sprachen aus ihnen. Die Haut der Elfe war blaß und ihre kupferfarbenen Haare trug sie am Hinterkopf zusammengesteckt. Einzelne Locken hatten sich aus der Haarspange gelöst und kitzelten sie immer wieder an der Nase. Ein Lächeln lag auf ihren Lippen und sie zog tief die Luft des Abends ein. Nach einigen Augenblicken richtete sie sich auf, ließ ihre Füße vom Baumstamm ins kühle Nass gleiten und lauschte in die Ferne.
Ja, bald war es soweit. Heute war es ihre Aufgabe, das Neumondritual zu führen. Jalen war sich der Wichtigkeit ihrer Aufgabe bewusst. Sie war bereits seit einem Jahr die Lyra ihres Stammes, die Vertraute der Symbra. Wenn sie an die Symbra dachte, begann Jalen zu strahlen. Es schien ihr, als gäbe es kein schöneres Lebewesen. Sie hatten Federn, die in allen Schattierungen von blau über türkis bis violett leuchteten. Ihre Schnäbel waren sehr kurz und zierlich. Die Augen dieser Vögel waren tiefschwarz wie die Nacht, doch ihre langen Schwanzfedern schienen selbst in den dunkelsten Nächten zu leuchten.
Jalen wusste nicht, weshalb diese Vögel in jeder Neumondnacht in die Sümpfe kamen, um ihren Stamm nach Menisa zu führen. Doch sie war froh über ihre Nähe. Ohne die Symbra und ihre Magie wäre es den Elfen wohl kaum möglichgewesen in einer Nacht die Strecke zurück zu legen und am Treffen der Stämme teilzunehmen.
Tief in Gedankenversunken merkte Jalen nicht, wie die Zeit verstrich. Die Sonne war gänzlich verschwunden und ein blau-schwarzes Firmament erstreckte sich über den Nebelsümpfen. Die ersten Sterne leuchten und ein angenehmer Wind kam auf. Binsen und Röhricht tanzten raschelnd in seinen Böen.
Aber Jalen konnte beruhigt aufatmen. Alles war vorbereitet und einen Symbravogel hatte noch keine Lyra übersehen. Lyra Jalen betrachtete angespannt den Nachthimmel und wartete auf den Symbravogel.
Die Frauen ihres Stammes hatten ihr für diese Zeremonie silbern glänzende Perlen in die Haare geflochten und ihr eine Kette mit einem klaren, weißem Mondstein umgelegt. Von ihren Schultern aus fielen zusätzliche Bänder, die wie eine Feder im Wind tanzten. Ihre zwei Flügelpaare waren mit Nebeltropfen benetzt worden, damit sie im Sternenlicht funkeln.
Jalen wusste genau, wie ihr Leben nach dieser Nacht aussehen sollte. Sie würde, wie ihre Tante Eldea, den Pfad der ewigen Reinheit einschlagen und so ihrer Familie und ihrem Stamm viel Ehre bringen. Doch wenn sie diese letzte Prüfung als Lyra bestand und ihr Stamm sicher in Menisa ankam, stand ihr die Entscheidung offen mit ihrem Stamm zurück zu kehren oder in Menisa zu bleiben und dort zur Priesterin ausgebildet zu werden.
Jalen kannte auch die Einsamkeit, die sich auf diesem Weg verbarg. Die Priester waren zwar stets der Mittelpunkt des Stammes, doch viele Stunden der Meditation und zahlreiche Wanderungen durch die Wälder auf der Suche nach Kräutern und Heilpflanzen verbrachten sie allein. Jalen schreckte dies nicht ab. Schon immer war sie etwas anderes gewesen als ihre Geschwister und die anderen Kinder. Meist träumte sie vor sich hin, lauschte dem Wind und spielte mit den Pollen der Gräser. Die anderen Mädchen dagegen tanzten lieber Reigen, flochten sich bunte Bänder in die Haare und plapperten von früh bis spät. In dieser Welt fand Jalen sich nicht zurecht. Schnell lernte sie die Ruhe der ausgedehnten Sümpfe zu schätzen und zu lieben. Bald darauf konnte sie viele Vögel an ihrem Gesang unterscheiden und lernte von ihrer Tante, wie sie zahlreiche Pflanzen erkennen konnte.
Mit zweiundzwanzig Jahren wurde sie dann in das älteste Geheimnis der Nebelelfen eingeweiht und durfte an den Neumondritualen teilnehmen. Von diesem Tag an kannte sie ihre Berufung. Sie wollte ihrer Tante Eldea folgen. Noch in der selben Nacht wurde sie zur Lyra berufen. Andere Elfen ihres alters wählten ebenso ihren Weg. Manche wollten den Pfaden der Jäger folgen, andere flochten lieber Gräser zu Körben oder Matten. Wieder andere würden von diesem Tag an Früchte und Nüsse sammeln oder bei den Schreibern in die Lehre gehen. Jalen aber nahm all ihren Mut zusammen und bat darum die Schülerin ihrer Tante Eldea zu werden, bevor ihr ein Vorschlag unterbreitet wurde.
Heute, ein Jahr später, hatte Eldea ihr vieles beigebracht und Jalen wünschte sich nichts sehnlicher als ihre Ausbildung fortzusetzen. Die anderen Elfen ihres alters, bekamen ebenfalls die Möglichkeit ihre Entscheidung zu bekräftigen oder einen neuen Weg zu wählen. Heute nacht, würden sie alle sich für einen festen Weg entscheiden und sie war diejenige, die sie alle nach Menisa führte. Nun lag es an ihr, ob sie fähig sein würde eine Priesterin der Nebelelfen zu werden oder ob sie sich auf ihrem Weg verirren würde.
1. November 2010 bis 31. Oktober 2011: Kapitel 1 bis 29 ~ 143.053 Wörter
1. November 2011 bis 30. November 2011: Kapitel 30 bis Ende ~ Ziel: nochmal 60.000 Wörter mehr
