-Serafina-

-Serafina-

Member for over 2 years
Novel: Nalia - Die Berührte
Genre: Fantasy
50082 words
Winner!

Synopsis

Deutsch:

Einige Zeit, nachdem der Krieg zwischen Menschen und Elfen beendet ist und sich offiziell um ein gutes Verhältnis bemüht wird, gibt es unter den Menschen trotzdem noch eine Gruppierung, die den Elfen ausgesprochen feindlich gesinnt ist. Nachdem von deren Seite vermehrt Drohungen gegen den einzigen Sohn von König Aeric I. ausgesprochen wurden, ist der Monarch um seinen Sohn besorgt und würde ihn gerne in größerer Sicherheit wissen als in der Hauptstadt - zum Beispiel auf der Burg seines Bruders, tief in den südlichen Gebirgen des Landes.

Unterdessen erlaubt sich eine junge Elfe einen schweren Fehltritt, auf den normalerweise eine schreckliche Strafe steht - doch da sie dabei ein Leben rettete, wird davon abgesehen. Weil es ein Mensch war, der ihr nun sein Leben verdankt, wird beschlossen, dass sie ihren Strafdienst im Menschenreich ableisten soll.
Die Elfen sind für ihre Fertigkeiten und Disziplin bekannt und so wird es ihre Aufgabe, den Königssohn sicher und unauffällig durch das Land zu geleiten.

-----

English:

Some time after the great war between humans and elves, everyone is officially trying to establish a good relationship between the two races. But still, there are some humans hating the elves and they are threatening the only son of King Aeric I., who is known as a elven-friend.
The King decides to send his son to his brothers castle in the southern mountains for safety.

Meanwhile, a young elven girl commits a crime that is usually heavily punished, but since she saved a human life with it, the punishment is changed into serving the humans for a while.
Elves are known for their abilities and discipline and so it becomes her task to accompany the prince safely and inconspicious across the land.

Excerpt

Nalia zügelte ihr Pony, als sie die Hügelkuppe erreichte. Über die letzten Tage hatte sie sich an die weiten Felder und Wiesen des Menschenreiches gewöhnt, aber der Ausblick, der sich ihr nun bot, war atemberaubend. Vor ihr fiel das Gelände sanft ab, zu ihrer Linken bahnte sich ein Fluss seinen Weg dorthin, wo sie hergekommen war. Ein leichter Morgendunst hing über der Kulisse, aber in weiter Ferne am Horizont konnte sie einen großen See sehen, an dessen Küste sich die Gebäude der Stadt Skelgh zu einem imposanten Berg mit weit verzweigten Ausläufern türmten. Selbst aus dieser Entfernung war es unzweifelhaft, dass dieser Ort nichts mit den elfischen Städten gemein hatte und fast ebensowenig mit den kleinen Dörfern, an denen sie in der letzten Zeit vorbei gekommen war.

Sie war etwas völlig Neues, das Zentrum der menschlichen Kultur und Politik, wollte Eindruck machen und das auch auf große Entfernung. Nalia musste zugeben, dass den Menschen dies gelungen war. In ihr braute sich eine Ungeduld zusammen auf das, was die Stadt aus der Nähe für sie bereithalten mochte. Ungeachtet ihrer beider Erschöpfung trieb sie ihr Pony wieder an und machte sich zügig auf den Weg ins Tal.

Sie hatte ein mulmiges Gefühl, wenn sie daran dachte, dass all diese Flächen einst bewaldet gewesen waren und konnte nicht verstehen, wie die Menschen einfach so brutal solche Mengen von Bäumen abschlachten konnten, aber abgesehen davon musste sie zugeben, dass man zu Pferd hier definitv schneller vorankam als selbst in lichtem Wald. Außerdem faszinierte sie die funkelde Wasserfläche am Horizont.

Theoretisch war es nicht weit von ihrem Heimatort zum Meer, aber das fühlte sich komplett anders an; man ging durch den Wald, bis plötzlich die Küste in Form einer steilem Klippe vor einem war und sobald man den einen möglichen Schritt zwischen den Bäumen hervor getan hatte, war das Meer überall, zu allen Seiten und sogar unter einem, und erstreckte sich in alle Richtungen bis zum Horizont.

Hier aber war es wie eine Reise durch einen Traum; das Gras war noch grün, doch die herabfallenden Blätter der vereinzelt wachsenden Bäumchen setzten goldene und rote Tupfen in die Szenerie. Es wurde langsam Herbst und die Sonne schien diese Erkenntnis bekräftigen zu wollen, indem sie selbst aus ihrem niedrigen Nachmittagsstand zwischen den Wolken, die über den Himmel zogen, die Landschaft mit warmem, goldenen Licht flutete.

Doch schon bald musste Nalia erkennen, dass die Stadt von der Hügelkuppe aus viel näher gewirkt hatte, als sie es in Wirklichtkeit war, und musste ihr Tempo verlangsamen. Kaum war Ninin, ihr Pony, in gemütlichen Schritt verfallen, begann es zu nieseln.

Schleichend langsam kam die Hauptstadt näher und der Regen wurde immer stärker. Sie mochte den Regen hier nicht besonders; im Wald war man dem selten so direkt ausgesetzt wie im offenen Land. Während dem Regenguss schützten einen die Bäume zunächst vor dem Wasser, dann begann es in großen Tropfen und Rinnsalen von den Blättern zu fließen. Je nach Art des Baumes war diese Zeit unterschiedlich lang und irgendwann lernte man, abzuschätzen, wie lange man noch halbwegs trocken nach Hause kommen konnte und wo man Gefahr lief, klatschnass zu werden.

Hier draußen jedoch gab es keinen Schutz vor dem Regen und bald waren Nalia und ihr Pony bis auf die Haut durchnässt und selbst die gepolsterte Decke, auf der sie saß, damit ihr das Pferdehaar bei längeren Ritten nicht durch die Hose stach und ihre Oberschenkel wund scheuerte, wurde langsam, aber sicher immer nasser.

Vermutlich waren auch ihre Wechselsachen und die Reste ihres Proviantes, die ohnehin nicht mehr besonders appetitlich waren, in den Satteltaschen hinter ihr längst klatschnass.

Der dichte Regen klatschte ihr in dickten Tropfen ins Gesicht, in Nase und Augen; wenn sie versuchte, das Wasser wegzuwischen, war es, sobald sie die Zügel wieder zur Hand nahm, wieder genau so schlimm wie zuvor.

Wo sie eine halbe Stunde zuvor noch das märchenhaft erleuchtete Tal umgeben hatte, war jetzt zu allen Seiten nur noch die graue Wand des Regens und auch der Himmel war so dicht verhangen, dass sie nicht mehr sehen konnte, wo die Sonne stand. Sie musste wohl oder übel auf gut Glück weiterreiten, in der Hoffnung, halbwegs den Kurs zu halten. Jetzt bereute sie es, vom letzten Dorf aus nicht die Straße genommen zu haben, sondern querfeldein geritten war, denn der Boden weichte zunehmend auf und erschwerte das Vorankommen erheblich.

Das Licht wurde zunehmend schlechter und Nalia befürchtete schon, es nicht vor Einbruch der Nacht in die Stadt zu schaffen. Um keinen Preis wollte sie bei diesem Wetter hier draußen in der Schlammwüste – denn nicht anders war die völlig aufgeweichte Wiese nun zu nennen – irgendwo übernachten.

Doch gerade, als sie schon die Hoffnung aufgegeben hatte, tauchte vor ihr unvermittelt eine Mauer aus hellem Sandstein auf. Sie war so hoch, dass sie auch von ihrem Pony aus nicht annähernd darüber gucken konnte. Sie fragte sich, wozu die Menschen sie hier aufgebaut hatten. Vielleicht war sie ein Überbleibsel aus dem Krieg? Aber eine Handvoll erfahrener Elfen konnte ein Stück dieser Mauer in wenigen Augenblicken in einen Haufen Sand verwandeln, das wusste sie. Aber irgendwie mussten die Menschen in die Stadt kommen, also würde es wohl irgendwo ein Tor geben. Langsam ritt sie an der Mauer heran. Wind und Regen waren hier weniger schlimm, die Mauer beschützte sie vor dem Gröbsten. Dafür fror sie inzwischen ziemlich erbärmlich, ihre Kleidung war nass und schwer und sie war sich nicht sicher, was sie erwartete. Konnte sie zu dieser Uhrzeit überhaupt noch mit dem König sprechen? Bis sie ihren Weg durch die Stadt gefunden hatte, vermutlich nicht.