Genre: Historical Fiction
About Kelpie
Location: Kiel/ Germany
Age:24
Website: http://kelpie667.livejournal.com/
Favorite writers: Stephen King, Neil Gaiman, J.R.R. Tolkien, Terry Pratchett, Umberto Eco, Oscar Wilde, Charles Dickens, A.Ch. Swinburne, J.W. Goethe, E.T.A. Hoffmann
Favorite music: depends (mostly Heavy Metal, Rock, Indie, Folk, OSTs)
Non-noveling interests: art, music, concerts/ festivals, meeting friends, drawing,
Joined date: October 2, 2006
Years done NaNoWriMo:
'06
Years won NaNoWriMo:
'06
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NaNoWriMo buddies: 9
Das Portrait
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Der Abend des 2. Oktober dämmerte herauf. Es war einen Tag her, dass Samuel den Auftrag angenommen hatte.
Lillian Archer saß ihrem Mann im Salon gegenüber und nippte müde an einer Tasse Tee. Samuel lehnte auf der anderen Seite des Tisches in einem Ohrensessel und starrte sie über den Rand seiner Zeitung hinweg an. So verharrte er schon seit einer guten Viertelstunde, die große Wanduhr hinter ihm tickte die Sekunden mit schweren Pendelschwüngen hinweg und zeigte Lillian das Verstreichen der Zeit allzu deutlich an. Sie mochte es nicht wenn Samuel sie so ansah. Es war sein Maler-Blick, mit dem er seine Modelle sezierte. Lillian stellte sich vor, wie ein denkender, fühlender Mensch unter diesem Blick, der Samuels graue Augen zu Eis erstarren ließ, in nichts weiter als Muskeln und Knochen unter einer Haut aus Farbschichten und Pinselstrichen aufgespalten wurde. Das gefiel ihr nicht. Sie war Lillian Archer, nicht Persephone, nicht Helena von Troja und auch keine romantisiertes Dorfschönheit oder Näherin. Wenn Samuel sie so anstarrte, sah er sie in der Gestalt tausender Frauen als dem Gedächtnis der Menschenheit, nur nicht als das was sie wirklich war, seine Ehefrau.
Zumindest vermutete sie das. Denn normalerweise war Samuel in diesem Zustand, wenn sich in seinem Kopf aus den Menschen seiner Umgebung Gemälde erschufen, nicht ansprechbar. Das einzige was er manchmal von sich gab war ein leises Murmeln „Den Kopf etwas weiter nach links“, „Ja, so bleiben“, „Das Licht ist nicht gut“ – mehr war von ihm für lange Zeit nicht zu erwarten.
Lillian seufzte und stellte die Tasse zurück auf den Untersetzer. Der teure indische Tee wollte ihr nicht schmecken. Samuel hatte von dem Vorschuss, den Sir Graham ihm heute morgen gezahlt hatte, teure Vorräte einkaufen lassen, hatte ein exquisites Dinner servieren lassen und Lillian ein neues Kleid versprochen, doch sie hatte noch immer ein schlechtes Gefühl dabei.
Natürlich war es schön, dass Samuel endlich wieder eine Aussicht auf Erfolg hatte. Natürlich war dieser Sir Graham äußerst großzügig. Und natürlich war es sehr freundlich von Samuel ihr das wunderschöne Kleid im neusten Schnitt zu schenken, dass sie sich schon lange gewünscht hatte. Jedoch wurde Lillian das Gefühl nicht los, dass die Sache einen verborgenen Haken hatte. Einen gewaltigen Haken, der irgendwo unter der Oberfläche lauerte, wie ein Tiger in den Dschungeln Indiens, ein Hai unter dem Wasser des roten Meers, und nur darauf wartete durch die schützende Deckung zu brechen um über seine wehrlosen Opfer herzufallen.
Kelpie's Writing Buddies
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