About Rieke
Location: Bremen
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Age:39
Website: http://www.miesen-schuermann.de
Favorite writers: Martin Suter, Doris Lessing, die "Männer"
Favorite music: George Winston, Café del Mar
Non-noveling interests: painting, music
Joined date: October 29, 2006
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'06
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'06
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Elisabeth
an excerpt
Dezember
Wann kommen sie endlich? Elisabeth steht mit einem Geschirrtuch am Stubenfenster und schaut hinunter auf die Lichter des 28er Busses, die das Kopfsteinpflaster zum Glänzen bringen. Kein Fahrgast. Heiligabend. Der arme Fahrer.
Auf der Fensterbank hinterlässt Elisabeth eine Mehlspur. Aus der Küche verströmen Butterplätzchen ihren Duft. Noch liegt etwas Teig im Kühlschrank. Mag Kevin helfen und einige Herzen ausstechen?
Im Schloss der Wohnungstür rüttelt es.
„Lass mich erst mit dem Baum vorbei, dann kannst du zu Oma, Kevin“, hört Elisabeth auf dem Flur ihren Sohn Thomas sagen. Dann trampeln Kinderstiefel auf sie zu. Kevins Arme umschlingen ihren Bauch. Elisabeth hebt ihr Geschirrtuch in die Luft, um den braunen Schopf ihres 9-jährigen Enkels nicht einzumehlen.
„Oma, es ist Weihnachten!“ Dabei hüpft er auf und ab. Elisabeth ist versucht mitzuhüpfen, aber da betritt Heike die Küche. Sie schenkt Elisabeth ein erschöpftes Lächeln und wickelt ihren Sohn aus dem offenen Anorak. Das arme Mädchen arbeitet zu viel. Nicht einmal zum Friseur kommt sie, wie Elisabeth an ihrem Rest Dauerwelle erkennt.
Ungeduldig stürzt Kevin zum Kühlschrank:
„Jetzt backen wir zusammen die schönsten Plätzchen der Welt.“
Thomas schleppt den Fuß der Tanne durch den Flur. Die Spitze trägt Alexandra. Sie wirft Elisabeth nicht einmal durch ihre langen Haare einen Blick zu. Omas sind in der Pubertät anscheinend das letzte, mit dem man seine Zeit verbringen will; das hat Elisabeth verstanden. Dabei müssen sie und ihr kleiner Bruder das jeden Tag nach der Schule. Sie essen und machen ihre Hausaufgaben, zumindest Kevin. Bis Heike vom Büro kommt, kriecht er in seine Comics oder ein Buch. Die Bauklötze liegen schon lange und Spielzeugautos immer öfter in seinem halben Regal. Auf der anderen Seite findet man nur noch ein paar zerfressene Bravos. Elisabeth erinnert sich noch an Barbies und anderen Puppen. Zusammen kämmten sie die blonden und schwarzen Locken und zogen sie an, aus und um. Zu Anfang nähte Elisabeth sogar neue Kleider, alles mit der Hand. Heute sitzt Alexandra meistens mit Schmollgesicht über ihrem Handy und sagt kein Wort. Manchmal formt ihr Mund ein Lächeln, aber wenn sich ihrer und Elisabeths Blick sich finden, zieht sie ihre Augenbrauen wieder zusammen und schiebt ihre Unterlippe vor sich her. Das ändert sich nur, wenn ihre Freundinnen anrufen. Zuerst hat Elisabeth sich noch bemüht, ihre Namen zu behalten, aber Alexandra beantwortete irgendwann ihre Fragen nach Jana, Kira und Steffi nicht mehr, sondern warf ihre Haare herum und schmiss sich auf Elisabeths Couch, als wäre das eine Insel, zu der niemand sonst Zutritt hätte. Kevin versuchte es schon lange nicht mehr. Der große Teppich mit dem gelb-schwarzen Muster war ihm Recht für alles. Sicher hätte er auch liegend seine Hausaufgaben gemacht, aber dafür setzte er sich auf Elisabeths Anraten an den Küchentisch; Alexandra blieb auf der Couch und hatte ihre Hefte und Bücher auf den Knien.
Tannenaroma zieht durch die Wohnung und Heike holt die Kartons und Tüten mit dem Baumschmuck. Erst danach drückt sie ihre Wange kurz an Elisabeths. Thomas betritt im besten Pullover erst händereibend die Küche, nachdem er den Baum in den Ständer gedrückt hat. Seine Jacke hängt schon an der Garderobe. Auch als Handwerker weiß er immer, was sich gehört.
„Mein Junge, schön dass ihr alle da seid“, sagt Elisabeth.
„Es ist doch immer wieder schön“, sagt Thomas und legt seinen Arm um sie. Rasierwasser findet ihre Nase. Sie möchte seine frisch rasierte Wange streicheln, aber ihre Hände sind schon wieder voller Mehl. Kevin steht mit einer Schürze vor dem Bauch auf dem Hocker und drückt mit rotem Kopf die Herzform in den Teig. Alexandra ist in der Stube geblieben. Sie sitzt sicher schon wieder auf dem Sofa oder trommelt ungeduldig auf die Fensterbank, um die Zeit bis zum Schmücken und bis zu den Geschenken zu überbrücken. Elisabeth bleibt lieber in der Küche, so lange es geht. Sie will die schöne Stimmung so lange wie möglich erhalten. Sicher haben Heike und Thomas ihrer Tochter für heute Abend eingebläut, dass sie nett zur Oma sein soll, aber Elisabeth möchte ihr helfen. Bei den Geschenken später wird es schon schlimm genug für sie werden. Dabei war es früher doch so anders. Seit Kevin zur Schule ging und mittags auch zu ihr kam, war Oma nicht mehr ihre Beste.
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