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About the author
dertypausdemtheater
Novel: Fünf Tage im Juni
Genre: Literary Fiction
14,403 words so far  

About dertypausdemtheater

Location: Hannover

Home Region:
Europe :: Germany & Austria

Age:27

Website: http://www.moatheater.de

Favorite writers: Wolfgang Borchert, Paul Celan, John von Düffel

Favorite music: irgendwas für die passende Atmosphäre

Non-noveling interests: Theater, Theater, Theater

Joined: October 25, 2007

This Year: Official Participant

NaNoWriMo History:
'07 '08

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Excerpt: Fünf Tage im Juni

Herrmann Hesse ist ein Lügner. Ein Blender. Nichts anderes. Damals habe ich ihm geglaubt. Und ich habe Herrn Brandes geglaubt, als er uns mit bebender Stimme und glänzenden Augen Hesses bedeutungsvolle Zeilen entgegenschmetterte: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ Er stand auf der Bühne unserer Aula. Bunte Blumenkübel rahmten ihn ein, während er hinter seinem Rednerpult thronte wie auf einer Kanzel. Dabei hob er mehrfach plötzlich die Arme, als wollte er uns segnen, strahlte aber in jedem Wort eine Ruhe und Vertrautheit aus, dass am Ende vor dem Applaus ein kurzer Moment der Stille war, in dem jeder von uns das gleiche fühlte, jeder die gleiche Nähe zu seinem Nachbarn spürte, bevor alle gleichzeitig zum donnernden Beifall anhoben. Ich erinnere mich, wie ich auf dem Stuhl hockte und mit meinen nassen Händen das Papier des Programmheftes zwischen meinen Fingern aufweichte. Ich hatte Tränen in den Augen und spürte in diesen kurzen Augenblicken etwas, das ich so noch nicht kannte, von dem ich aber gehört, in Büchern gelesen und das ich in Filmen gesehen hatte. Astronauten berichteten davon, die aus dem Weltall einen Blick auf die Erde als Ganzes werfen. Oder Bergsteiger, die den Gipfel des Mount Everest erklommen haben. Dieser kleine Wimpernschlag der Geschichte, in dem ein Mensch so nah am großen Ganzen ist, in dem ein Stück Ewigkeit auf ihn scheint und ihn fast in die Sphäre des Göttlichen hebt. Erhabenheit. Dort, auf diesem Stuhl zwischen Blumenkübeln und salbungsvollen Worten war ich mittendrin und spürte, dass dieser Augenblick das sein musste, was Hesse meinte. Jener Zauber des Anfangs, der mich stark machen sollte auf meinem weiteren Weg, der mich begleiten und behüten würde, sei der Pfad noch so schwer und steinig. Es würde gut werden. Am Ende würde ich zurück blicken aus meiner Weltraumkapsel oder meinem Gipfel, würde mich an jenen Moment erinnern, in dem alles so nah, so klar, so einfach erschien. Ich musste nur zugreifen. Und so klammerte ich mich weiter an mein Papier in der Hand, strahlte Herrn Brandes noch stärker an und sprang zum Schluss seiner Rede als Erster auf und jubelte. Ich bejubelte in diesem Moment nicht nur ihn und Hesse sondern vor allem mich selbst. Ich war stark. Ich war unbesiegbar. Ich war Gott.

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