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About the author
Sophie Bischoff
Novel: Ein ganzer Tag
Genre: Mystery & Suspense
44,567 words so far  

About Sophie Bischoff

Location: Stuttgart, Germany

Home Region:
Europe :: Germany & Austria

Age:47

Website: http://www.schreib-cafe-gruen.de

Favorite novels: Die Süsse des Lebens, Über die Chirurgie, Schubumkehr, Buddenbrooks, Die Karte meiner Träume

Favorite writers: Paulus Hochgatterer, Robert Menasse, Thomas Mann, Reif Larsen

Favorite music: If on a winter`s night - the new fabulous CD of STING

Non-noveling interests: reading, walking, history of Central Europe, music, cinema

Joined: October 28, 2004

This Year: Official Participant

NaNoWriMo History:
'04 '05 '06 '07 '08

NaNoWriMo posts: 3

NaNoWriMo buddies: 5

 

Synopsis: Ein ganzer Tag

DIESES JAHR will ich es mal wieder wissen und die 50K erreichen; in meiner Novel greife ich meine Ur-Idee von 2004 auf - eine Wirtschaftsfusion - und beschreibe in einer Art Wirtschaftsthriller wie die großen und kleinen Bosse die Mitarbeiter ins Verderben und das Unternehmen in den Ruin treiben.

Excerpt: Ein ganzer Tag

„Goooood Morning everybody. Get up. Stand up. Yes guys, for your rights. But first for an eagle. With mick & his friends: “Hey you - get off of my cloud“. Unsanft riss mich die laute Stimme des Radiomoderators aus dem Schlaf, bevor die alten Herren um Mick Jagger durchs Zimmer röhrten.

Eingelullt in eine Klangwolke aus den Roaring 60ies, schnappte ich mir meine Tasse doppelten schwarzen Espresso, den wie jeden Morgen meine automatische Nespresso schon aufgebrüht hatte. Üblicherweise streckte ich ihn - je nach Morgenlaune - mit Wasser. Nicht mit irgendwelchem Wasser. Schon gar nicht mit einer x-beliebigen Menge. Französisches Wasser aus dem Vulkangebirge der Auvergne musste es sein. Auch wenn dies hier, im fernen Asien, gar nicht so leicht zu bekommen war. Aber es gab immer irgendeinen Expat, der aus der Ferne kommend einige Flaschen in seinem Koffer mit schmuggelte. Wozu hat man Freunde. Doch der eigentliche Clou bestand in der Dosierung des Wassers. Dafür hatte ich mir eigens eine kleine Pipette bei einem Glasbläser in der alten Heimat fertigen lassen. Es war mein morgendliches Ritual, das ich pflegte, das ich brauchte, wie andere die Zigarette am Morgen oder das Zähneputzen, ohne das ich mich auch nicht wohl fühlte, ohne das ich kein Mensch war, morgens nicht in die Gänge kam.

Gewöhnlich setzte ich mich mit der Tasse in der Hand an den Computer, puttete ihn hoch und loggte mich in mein E-Mail-System ein. Während sich meine Nachrichten aus aller Welt auf dem Bildschirm versammelten, kam der magische Moment: zuerst beugte ich nur meine Nase über den schwarzen Tassenrand, aus dem der Kaffeeduft in dünnen Rauchsäulen empor züngelte, während mein linker Zeigefinger die Rauchsäule auseinander fächelte, als ob sie S.O.S.-Zeichen sendete. Wie früher die alten Indianer, wenn sie hoch droben auf ihren Felsen sitzend übers weite Land schauend mit Decken das Staccato der Rauchsäulen und damit der Nachrichten in Gang setzten, weil sich Fremde ihrem Lager näherten.

So saß ich da an jenem Morgen und stieß mit dem linken Finger im Rhythmus des „Get-off-of-my-cloud“-Takts die Rauchsäule meines doppelten Espresso auseinander. Während ich mit der rechten Hand gleichzeitig dafür sorgte, dass nur kein Wölkchen dieses edlen Dufts meinem Riechorgan entkam. Wie ein Hirte seine Schafherde trieb ich die Espressowölkchen in meine Nase und berauschte mich an dem Duft, während die neuesten Nachrichten unaufhörlich meinen Mail-Account bevölkerten.

Meistens, wenn ich dachte, nun sei es genug, und alle Nachrichten wären eingetroffen, griff ich mir die Pipette, steckte sie ins französische Wasser, gerade so, dass sich 3-5 Tropfen darin sammeln konnten und ließ zunächst nur einen Tropfen, dann nochmals einen und wenn ich meinte, der Espresso sei immer noch zu heiß einen dritten, vierten und fünften Tropfen fallen. Erst dann. Nicht früher. Auch nicht später, schien mir der Kaffee angenehm genug, um ihn kosten zu können. Während ich vorsichtig ein bis zwei Schlückchen nahm, vorsichtig, weil ich in einem Moment der Unachtsamkeit mir schon einmal die Oberlippe angebrüht hatte, blickte ich auf die Menge der Nachrichten, die meine Mailbox fluteten.
Es war das übliche Sammelsurium aus Newslettern, Werbemails, Newsfeeds, die sich mit Botschaften von Freunden und Verwandten, von Geschwistern und Arbeitskollegen, allesamt verstreut über die halbe Welt, mischten. Manchmal machte ich mir einen Spaß daraus, wenn ich nicht wusste, welche Nachricht ich zuerst anklicken und wo ich zuerst anfangen sollte mit dem Lesen. Dann ließ ich den Zufallsgenerator kreisen. Dazu hatte ich auf einem Zeichenbogen ein 20x20 cm großes Quadrat gemalt, dieses in 400 schwarz-weiße und durchnummerierte Kästchen unterteilt. Mit der Pipette kreiste ich wie ein Geier über der Beute und stieß irgendwann mit der Spitze auf eine der Zahlen zu: 325.

Gut, heute sollte es also die 325. E-Mail-Nachricht sein, die ich zuerst lesen durfte. Drei-hundert-fünf-und-zwanzig… ganz schön weit musste ich nach unten scrollen, bis ich sie endlich fand. Der New Yorker -Absender war mir wohl bekannt, gleichwohl ich schon längere Zeit nichts mehr von dort gelesen hatte. „Project F2030“ – Neugierig klickte ich auf den Betreff und begann zu lesen:

Dear Marc,
es ist so weit: Gestern Morgen erhielten wir Besuch von Watch Tower Inc., der internationalen Kontrollbehörde. Vier Offiziere eskortierten uns ins Headoffice. Am Hudson-River. Drei Exekutiv-Beamte befragten uns. Abwechselnd. Zu F2030. 13 Stunden lang. Höflich. Zuvorkommend. Zuletzt wurde uns eine Kooperationserklärung vorgelegt. Wir haben gemäß unseres Statuts 20/18 gehandelt. Danach wurden wir nach Hause gebracht. Noch in der Nacht haben wir alle Daten nach E37412 transferiert. Unsere Koffer gepackt. Wenn Du dies liest, sind wir bereits unterwegs. Unser Umfeld und unsere Wohnungen bleiben allein zurück. Es liegt an Dir, auszuharren oder wie im Statut zu verfahren.
Au revoir. Bonne chance. God bless you.
Ann.

Sophie Bischoff's Writing Buddies

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