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About the author
Lightdancer
Novel: vorläufig: Der falsche Musikant
Genre: Fantasy
33,584 words so far  

About Lightdancer

Location: Wien, Austria

Home Region:
Europe :: Germany & Austria

Website: http://www.8ung.at/lightdancer

Favorite writers: viele, u. a. Marion Zimmer Bradley, Kai Meyer, James Rollin, Dan Brown

Favorite music: zum Schreiben dieser Geschichte Owain Phyfe. Ansonst vielerlei - u. a. Blackmore´s Night, Nightwish, Subway to Sally, Irrlichter, Enya, Rammstein, Schandmaul...

Non-noveling interests: BookCrossing, mein Hund, lesen, Nintendo (Wii & DS) spielen

Joined: November 7, 2009

This Year: Official Participant

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Excerpt: vorläufig: Der falsche Musikant

Kalter Wind umwehte sie, als sie am Rande der Klippe stand und in das brodelnde Wasser unter sich starrte. Mehr als hundert Meter würde sie wohl schon fallen, wenn sie nur noch einen einzigen Schritt wagen würde. Der düstere Himmel über ihr, spiegelte ihre augenblicklichen Gefühle – aufgewühlt, dunkel und den Tränen nahe. Als wüssten die dicken schwarzen Wolken Bescheid, wann sie die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte, begann es gleichzeitig mit ihrem Ausbruch zu regnen. Je mehr sie über ihre Situation nachdachte, desto heftiger rannen sie ihr herunter und desto stärker reagierte das Wetter auf ihre Gefühlslage. Bald stand sie klatschnass und frierend da.
Ein einziger Schritt, ein kleiner Schritt und alles wäre vorbei. Sollte sie ihn wirklich wagen? Als sie sich entschloss diesen tatsächlich zu tun, umhüllte sie eine warme Wolke tiefster Zuneigung. Verwirrt drehte sie den Kopf und versuchte heraus zu finden, ob sie es sich nur einbildete oder ob wirklich ihr Liebster sie in seinen Armen hielt. Doch da war niemand.
Da konnte auch niemand sein, denn er war weit fort. Unerreichbar für sie – zumindest im Augenblick.
Die Wärme und Tiefe dieser Gefühlswelle, die sie umspülte, hielt sie aber davor zurück sich das Leben zu nehmen. Mit hängendem Kopf stapfte sie den Hang hinunter. Ihr Kleid mit dem weiten Rock klebte an ihren Beinen. Ihr ansonst glänzendes helles Haar hing kraftlos über Rücken, Schulter und Brust. Da es ebenso nass wie sie selbst auch war, fühlte es sich an, als ob sie Steine hinein geflochten hätte. Sie würde sich sicherlich eine Lungenentzündung holen. Aber ohne ihn war alles so sinnlos und von daher egal. Was soll ich nun bloß tun? fragte sie sich. Ich kann doch nicht einfach den Willen meines Vaters nachgeben. Mutlos und mit blinden Augen für die Umgebung ging sie den ihr vertrauten Weg nach Hause weiter. Erst als sie vor der kleinen, alten Burg stand, in der sie wohnte, hob sie den Blick. Es war ihr Zuhause, aber trostlos, seit ihre Mutter starb. Abgesehen davon war es in einem schlechten Zustand. Keiner kümmerte sich mehr richtig um den Haushalt. Schmutziges Stroh lag auf sämtlichen Böden, das Essen war karg, Bedienstete gab es kaum mehr. Lediglich die Köchin war geblieben. Ihr Sohn betreute die mittlerweile sehr wenigen Pferde im Stall und hütete die einzige Kuh, die es noch gab. Ihr Vater – eigentlich ihr Stiefvater – hatte alles zu Grunde gerichtet. Mit Schaudern dachte sie an diesem Mann, der nun ihr Leben bestimmte. Was Mutter an ihm gefunden hatte, wusste sie nicht.
Ihre Mutter – so zart, so sanft, so weise und einfach in allem wundervoll. Das blonde Haar hatte sie von ihr geerbt. Die blauen Augen hatte sie von ihrem richtigen Vater. Als dieser in einem Zweikampf starb, konnte ihre Mutter heiraten, wen immer sie wollte. Keiner konnte verstehen, was sie an Erik fand. Er war so anders. Sein rotes Haar leuchtete mit seiner rot geäderten Nase um die Wette. Sein Wesen war hart und zeitweise brutal. Die zusammen gekniffenen Augen waren meist vor Wut oder Alkohol gerötet. Außerdem war er ein Kasten von einem Mann und damit das genaue Gegenteil von Finn. Was die stille, ruhige Marit in ihm sah, war ihrer Umgebung schleierhaft. Aber sie schien mit ihrem Wesen eine beruhigende Art auf Erik zu haben. Dieser Ehe war kein weiteres Kind beschieden, so war Solveig ein ständiger Fingerzeig der Zeugungsunfähigkeit Eriks und das machte sie zum Mittelpunkt seiner Streitlust. Erik wurde der Bedeutung seines Namens schlichtweg nicht gerecht. Ein Edelmann war er – aber ein mittelloser und auch sein Charakter war absolut nicht edel.
„Solveig!“, donnerte da seine tiefe Stimme über den Hof und ließ das Mädchen zusammenzucken. „Verdammt, wo bist du schon wieder?“ Bevor er sie so durchweicht sehen konnte, schlüpfte sie leise durch die Küchentür ins Innere.
„Bei allen guten Geister, Solveig“, empfing sie dort Almina, die Köchin. „Wie siehst du wieder aus? Hast du ihn nicht rufen gehört? Spute dich, Mädchen!“ Und schon hielt sie ihr ein angewärmtes Tuch entgegen. „Trockne dich ab. Ich hol dir schnell ein Gewand.“ Bevor sie aber die Küche verließ, drehte sie sich noch einmal im Türrahmen um. „Er ruft dich schon länger und er wird sicher wieder rasend vor Zorn sein, da ihr heute Gäste erwartet. Wappnet dich also, Sonnenwind!“
Almina, die gute Seele, nannte sie schon seit ihrer Kindheit so und rief damit die Bedeutung ihres Namens hervor. Ein Wirbelwind, so sagte sie ihr immer wieder, war sie schon als kleines Mädchen gewesen. Kaum zu bändigen und wie passend der Name von ihren Eltern gewählt war, stellte sich heraus, als ihr Haar so hell wie Getreide wurde und ihre Augen so klar wie der Himmel. Wieder drängten sich Tränen in ihre Augenwinkel.
Gäste, schnaubte sie innerlich, um sich mit Wut zu umgeben, was wesentlich besser in Eriks Nähe war als Trauer und Tränen. Heiratskandidaten ist wohl eindeutig das passendere Wort.
Das lange Haar war beinahe trocken, als Almina erneut die Küche betrat. Über ihrem Arm hing ein zweiteiliges Gewand, bestehend aus Rock und geschnürtem Oberteil. Beides in einem wundervollen Lindgrün gehalten. Und wenn man nicht genau hinsah, übersah man die geschickt ausgebesserten Stellen im Stoff. Auch hier hatte sich die Trunksucht des Oberhauptes breit gemacht. Schnell half sie dem Mädchen in das Gewand, flocht das nun wieder glänzende helle Haar zu einem einzigen Zopf zusammen und begutachtete sie ausgiebig. „Das muss wohl reichen“, sagte sie eben, als erneut die Stimme Eriks durch das Gemäuer donnerte. Nur sehr ungern verließ Solveig die nach Essen duftende und Wärme ausstrahlende Küche. Aber sie wusste, wenn sie sich nicht bald blicken ließ, würde das üble Konsequenzen nach sich ziehen. Mit einem Ruck straffte sie ihre Gestalt, hob das Kinn und schritt beinahe königlich ihrem Henker entgegen. Denn als nichts anderes empfand sie ihren Stiefvater. Aus diesem Grund sah sie auch nicht die Tränen, die schimmernd über Alminas Wangen rannen.

Sie wusste wo sie Erik finden konnte. Nämlich dort, wo er immer war – in der großen Halle. Und vermutlich hatte er wieder stark dem Wein zugesprochen. Dies tat er immer, wenn er in Aufregung war. Oder wütend. Oder glücklich, wieder einen Ausweg aus ihrer misslichen Lage gefunden zu haben. Oder… na ja, eigentlich war er nun schon beinahe jeden Tag betrunken. Solveig seufzte. Mutter, du fehlst so sehr war gerade ihr Gedanke, als sie die Halle betrat. Und wie schon vermutet, war ihr Stiefvater auch tatsächlich hier anzutreffen. Einer der Gäste war schon eingetroffen und saß nun neben Erik an der noch recht leeren Tafel. Einzig die Weinkrüge standen vor den beiden Männern. Züchtig senkte Solveig den Blick, aber beließ ihren Kopf so weit oben, dass sie den Neuankömmling ein wenig betrachten konnte. So entging ihr nicht der Blick, der der Fremde ihr zuwarf. Zuerst neugierig, dann gierig. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Er war nicht gerade ansehnlich. Sein Blick wirkte irgendwie irr und obwohl er sehr gerade saß, könnte man meinen, dass er ein Buckliger war. Beinahe konnte Solveig Geifer in den Mundwinkeln ausmachen. Und tatsächlich spuckte er bei jedem Wort, als er schließlich den Mund öffnet. „Erik!“, rief und spuckte er. „Das Mädchen ist ja eine Augenweide.“ Anhand seines Lallens erkannte Solveig, dass dies wohl einer der Saufkumpanen von Erik war. Starr kam sie zum Stillstand. Ihr Götter, alles, nur das nicht, bat sie im Gedanken.
„Solveig, erfülle deine Pflicht“, war alles, was Erik in ihre Richtung sprach. „Hab ich es dir nicht gesagt, Sievert?“ Sittsam, wenn auch zögernd, ging sie weiter, hob den großen Krug und schenkte dem Gast gerade ein, als ein weiterer die Halle betrat. Sein fester Schritt wühlte durch das verbrauchte Stroh und wirbelte den darunter liegenden Staub auf. Das wusste sie ohne es sehen zu müssen, da dieses Schauspiel sich beinahe täglich wiederholte. Früher hatte sie den wirbelnden Staub gerne im Sonnenlicht, welches durch Ritzen hereindrang, betrachtet. Doch an diesem kalten, unwirtlichen Tag und auch wegen der Aussicht, was ihr bevorstand, konnte sie das nicht aufheitern. Wenigstens torkelt dieser nicht, dachte sie. Eine ähnliche Flutwelle, die sie schon an der Klippe gespürt hatte, breitete sich rund um sie aus. Verwirrt blieb sie genau in dieser Position stehen, in der sie sich gerade befand und da sie immer noch den Kumpan von Erik einschenkte, rann der Wein über den Krugrand hinaus und über den Tisch. „Solveig“, brüllte ihr Stiefvater. Sie schnellte aus der Erstarrung, stellte abrupt den Weinkrug ab, drehte sich hastig um und stieß dabei mit dem Mann, der sehr knapp hinter ihr stand, zusammen. Da sie im Begriff war, aus dem Gleichgewicht zu geraten und damit zu stürzen, hielt der Fremde sie plötzlich in seinen Armen. „Was bist du doch für ein ungeschickter Trampel.“ Mit hochrotem Gesicht sprang Erik von seinem Stuhl auf. Mit erhobener Hand stand er da, als der Neuankömmling zu sprechen anfing. „Ich denke, das wird nicht notwendig sein.“ Solveigs Knie wurden weich. Das konnte nicht sein. Diese Stimme… ihre Sinne mussten ihr einen Streich spielen. Es schien als verließ alle Kraft ihren Körper und sie schmiegte sich an diesem Mann, der sie unschicklicherweise immer noch in seinen Armen hielt. Ungeschickt machte sie sich frei und floh.
Kaum aus der Halle draußen, lehnte sie sich mit wild klopfenden Herzen an die Mauer und versuchte Luft zu bekommen. Der Hals war ihr wie zugeschnürt, der Magen schlug Purzelbäume, der Kopf fühlte sich wie Watte an. Unmöglich, einfach unmöglich, widersprach sie ihrem Körper. Er kann es nicht sein. Er ist fort. So unendlich weit fort. Sie hatte immer noch nicht ihre Fassung wiedererlangt, als die Stimmen zu ihrem Bewusstsein durchdrangen. Ihr Stiefvater brachte Entschuldigungen vor, die natürlich alle zu ihren Kosten gingen. Wie ungeschickt sie nicht sei, wie froh er wäre, wenn sie einen Mann finden würde, dem sie auf die Nerven fallen könne und er habe es ja immer schon gewusst, dass sie zu nichts zu gebrauchen wäre. So wollte er einen Mann für sie finden? Solveig war sprachlos und wurde wütend. Andererseits, so dachte sie schließlich, auf diese Weise wird er die Anwerber eher abschrecken und damit mir einen Gefallen tun. Und das beruhigte sie wiederum.
„Erik, nimm dir das nicht so zu Herzen.“, sagte da Sievert gerade. „Ich werde sie schon zurecht biegen. Junge Fohlen gehören gebrochen, bevor sie zu wilden Pferden werden.“
„Frauen gehören nicht gebrochen, sondern geachtet.“, ließ sich der dritte da vernehmen. „Achtung?“, schnaubte Erik. „Damit werdet ihr bei der nicht weit kommen.“ Und nach einer kurzen Pause, fragte er schließlich: „Wer seid ihr eigentlich?“
Solveig, die sich gerade abwenden wollte, hielt plötzlich inne. Darauf war sie auch neugierig. „Man kennt mich unter den Namen Leif.“ Kraftlos rutschte sie nun an der Wand entlang. Ihr Körper hatte sie nicht betrogen, ihren Liebsten nicht verraten – er war es tatsächlich. Aber wie konnte dies sein?
„Und was ist nun euer Begehr, … äh, Leif?“ Erik war sich nicht sicher, wie er diesen Mann anreden sollte, der sich adelig gab, aber keinen Titel nannte. „Ich war gerade unterwegs, als ich von zwei Reisenden erfuhr, dass ein Mädchen hier… verheiratet, oder sollte ich besser sagen, versteigert, wird. Ich bin nun einmal ein neugieriger Mensch und dachte mir, dass es nicht schaden könnte, sich die Maid anzusehen.“
„Ihr seid also wegen eines Gerüchts hier.“
„Ist es denn nicht wahr, dass hier ein Ehemann gesucht wird?“, erwiderte Leif. Erik wusste immer noch nicht was er von diesem jungen Mann halten sollte. Er reagierte daher äußerst vorsichtig. „Das wird sich noch zeigen, ob hier geheiratet wird.“ Mit einem Glitzern in den Augen sprach er weiter: „Habt ihr denn Interesse?“
„Erik, ich muss schon bitten“, ließ sich nun auch Sievert vernehmen. „Willst du sie an einem Wildfremden verschachern?“ Leif betrachtete nun den Mann an Eriks Seite zum ersten Mal genauer. „Und ihr meint, ihr seid der Richtige für sie?“ Und ironischer: „Abgesehen von eurem angenehmen Charakter, seid ihr ja wohlgestaltet und sicherlich der passendere Mann!“ Sievert holte lautstark Luft. „Mein Herren, immer mit der Ruhe!“, versuchte nun Erik die Lage zu beruhigen, da die Spannung deutlich knisternd zwischen den Rivalen zu spüren war. „Es werden noch weitere Herren eintreffen und bis dahin sollten wir alle ruhig bleiben.“
Solveig hatte genug gehört. Leif, ihr Liebster, wollte um sie werben – ganz offiziell. Doch wie wollte er gegen Geld und Anwesen der anderen Werber antreten? Sie kannte ihn nur als mittellosen Musikanten. Seine Aussichten waren nicht gerade rosig, wenn er nicht einen guten Ausweg aus dieser Lage parat hatte.

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