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About the author
reinhard4711
Novel: Cyrano de Bergerac - Reloaded
Genre: Erotic Fiction
60,241 words so far   Winner!

About reinhard4711

Location: Vienna, Austria

Home Region:
Europe :: Germany & Austria

Website: http://www.splendit.at

Favorite novels: Die Traumnovelle, Hundert Jahre Einsamkeit, Baron über den Bäumen, a farewell to arms, grapes of wrath, Blechtrommel

Favorite writers: John Steinbeck, George Orwell, Günter Grass, Arthur Schnitzler, Gabriel Garcia Marquez, Italo Calvino, Ernest Hemingway

Favorite music: depends on mood, however rather classic oriented: Ougenweide, Rondo Veneziano. John Lennon (Imagine)

Non-noveling interests: reading, mountainbiking, snooker, social games

Joined: Octubre 22, 2007

This Year: Official Participant

NaNoWriMo History:
'07

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Synopsis: Cyrano de Bergerac - Reloaded

Simon Sindelka, Student der Literatur aus München schreibt und flirtet für andere Männer oder Frauen im Internet und auf Part­ner­börsen, auf dass sich diese über Chats und dergleichen modernere Me­di­en besser kennen lernen und ineinander verlieben.
Auf diese Art und Weise schafft er es einerseits, Gefühle zu äußern und fühlen, die ihm durch sein jahrelanges Handicap nur schwer in seiner eigenen be­grenzten Welt möglich sind und es gelingt ihm auch durchaus Per­sonen zu­sam­menzuführen, die tatsächlich füreinander bestimmt sind.
Alles aber ändert sich grundsätzlich in seinem Leben, als er durch eine Reklamation eines schwierigen Kunden auf eine virtuelle Person na­mens Claudia trifft, die offen­kundige Liebe seines Lebens. Er tastet sich be­hutsam an sie heran, legt Gefühle und sein eigen Herzblut in die Feder und wagt es dennoch kaum, sie auch in Realität zu treffen und sie durch Konfrontation mit der Wahrheit wohl unendlich enttäuschen zu mögen.
Gegen seine innere Überzeugung lässt er sich zu einem Treffen mit ihr in Salzburg überreden und zittert diesem mit Hoffen und Bangen ent­gegen, hin und her gerissen zwischen Gewissensbissen ob seiner Verheim­lichung und seinen von tiefer Liebe für sie überbordenden Ge­fühlen.

Excerpt: Cyrano de Bergerac - Reloaded

Blind date
Warum raufte er sich zum wiederholten Male seine Haare und fuhr sich mit den Fingern einem Kamme gleich zum wiederholten Male durch seine wuschelig ungebändigten Locken. Was war hier langsam und dann immer schneller anders geworden, war ihm entglitten und hatte sich so gänzlich anders entwickelt als in all den zahl­rei­chen unter­schiedlichen Konversationen zuvor? Warum gab es hier mit einem Male unerklärliche Gefühle, die in ihm zu kulminieren begannen. Echte und nicht vorgespielte Gefühle, der wunderbaren Wahrheit der Liebe und Verliebtheit so nahe kommend, wie er sie schon so lange nicht mehr erkannt hatte.
Er – Simon, Simon Sindelka … Student der Literatur und Mathe­matik an der Münchner Hochschule. Er, der sonst so oft schon so häufig die Worte geschrieben hatte, die sich immer um das eine einzige im Le­ben zu drehen schienen. Ehrliche und nicht stilistisch literarisch ge­spielte und vorgetäuschte Gefühle von Liebe. Wahr Liebe und Leidenschaft, die ihm selbst verwehrt ge­blieben waren seit jenem unsäglichen Tag des fatalen Jahr­markt­sprunges aus­ge­rechnet an seinem Geburtstag vor fast zehn Jahren ...
Das hier war nicht mehr die banale Anhäufung von Phrasen, die er wie bisher in Form von großteils anonym ablaufenden Auftrags und Gedichtarbeiten für Dritte erledigte. Nein, hier gab es nur noch anderes, das ihn zu diesen Wor­ten greifen liess, zu sanften Phrasen, zu Schmeicheleien, zu Flirts und Schwärmereien, zu Streicheleinheiten darge­bracht in Form von Worten, Buchstaben komponiert zu Bedeutungen, die auf Reaktionen auf der anderen Seite stießen und wohlwollend und immer liebevoller aufge­nommen, erwartet und liebevoll angereichert ihm zurück gesendet wurden. Ein Hineinfließen von Gefühlen, ein sich dem anderen Öffnen und sein Herz ausschütten, der Aufbau eines Flusses von Tränen der Freude, von Erwartungen und Hoffnungen.
Und dennoch … o nein, Simon, schalt er sich und weinte vor Freude und Selbstvorwürfen zugleich. Wie konntest du nur, wie konnte ich nur dem Besuch zustimmen. »Blind date«, wie man es jetzt so unromantisch mit falschen englischen Worten einfacher zu definieren versucht. Nicht das Date, das Treffen wäre blind, nein er hatte reagiert, als wären seine Augen mit Blindheit und nicht seine Beine mit Lahmheit geschlagen. Wie hatte ich mich hinreißen lassen können, sie nächstes Wochenende in Salzburg zu besuchen, wo ich doch gar nicht … er wagte den Satz weder zu Ende denken, schon gar nicht zu formulieren, wie er sich in dem Spiegel näher und intensiver betrachtete.
Die Narbe auf der Stirn – da konnte man darüber noch lächeln, und ihn als eine Art von Harry (Potter) anlächeln, da auch diese mit ähnlichen Zacken ausgeprägt war, wie er hart auf den Boden aufgeschlagen hatte. Die Brüche, ungezählte waren es gewesen – ja, die waren allesamt über die Zeit hin­weg sogar vollkommen aus­geheilt, bis auf den einen weiter unten, am Lendenwirbel … und damit verbunden: die Beine, die abgeklemmten Nerven. Er wandte sich hängenden Kopfes von seinem eigenen Spiegelbild ab und rollte nachdenklich in seinem Rollstuhl vom Spiegel hinweg.
Die aktuelleren Fotos seines Bruders, die er verwendet hatte, um sich als seiner einer auszugeben … das würde er wohl noch verzeihen, hoffte Simon, zu­mindest stellte er sich dessen Verhalten und Groß­zügigkeit dementsprechend vor. Da war ja nichts Böses dahinter gemeint gewesen, baute er sich seine fast einfältig wir­kende Vorstellung und Recht­fertigung bereits jetzt aus, wo er doch endlich mit jemanden über seine wahre Situation und Gefühle sprechen musste. Und ein wenig ähn­lich sahen sich die beiden Brüder doch in jedem Fall, auch wenn Peter zumeist kurze bis viel zu kurze Haare trug und ein eher sonnig-bräun­licher Typ war. Bräunlich so­wohl Haut und Haare, als auch für Simon unverständlicherweise dessen po­li­tische Einstellung betreffend, was schon zu vielen fruchtlosen aber sehr harten Diskussionen geführt hatte. Eine Situation, die auch das einzige und wirkliche Damoklesschwert war, das über ihnen beiden schwebte – sonst verstanden sie sich sehr gut und hatten gerade in der letzten Zeit auch viel unternommen. Und so war auch Peter auf die eine Art oder Weise zu einem »Kunden« von Simon geworden, was sprachliche Ausdrucksweise betraft, um Frauen zu beeindrucken und ihre Herzen durch verbale Kosteworte zu öffnen.
Er bringt mich um, wenn ich … ihm das alles gestehe, was ich in den letzten Tagen hier an vollendeten Tatsachen geschaffen habe, warf Simon einen Blick zurück zu seinem PC, der immer noch damit kämpfte, die Vielzahl an unterschiedlichen Fenstern in den zahlreich geöffneten Chat- und Kommunikations­pro­gram­men zu schließen. Auf dies Arte und Weise war Windows nun beschäftigt, all die Gespräche und Schwärmereien und jede Menge an Lügen und stark geschönten Dar­stellungen der Wahrheit zu beenden, mit denen Simon in den letzten Stunden sich die Zeit um die Ohren geschlagen hatte. Primär um damit Geld zu verdienen, Personen im Sinne einer Partnervermittlung zusam­men zu bringen, Gedichte, Vor­stel­lungen und sanfte bis heiße Liebes­be­teuerungen zu schreiben, wie er mittler­weile schon seit Jahren zu tun pflegte: ein idealer Nebenverdienst zu seinem Studium, das er demnächst abschließen würde – und ein für ihn wun­derbarer Beruf, neben seinen noch nicht veröffentlichten Werken auch manche Passagen daraus testweise unter das Volk zu streuen, um auf diese Art und Weise Feedback zu erhalten.
Vielleicht war es ihm gerade deswegen auch so leicht möglich, über Sehnsucht und unerfüllte Liebe zu schreiben, über die Hoffnung, dass sich Herzen finden und einander öffnen würden, weil ihm dieses traumhafte Gefühl noch nie zu Teil geworden war. Und weil er sich dennoch, all der Widrigkeiten zum Trotze, in der Lage fühlte, das zu beschreiben ver­suchen, was die meisten mit einfachen Worten im Sinne der Unbeschreib­lichkeit abzutun gedachten. Sich an die Gratwanderung heran zuwagen und auch manchmal Grenzen zu überschreiten, Gefühle so auszudrücken, dass diese unbedingte Wirkung und Gegenwirkung erzeugen mussten, ob nun bei Mann oder Frau, alt oder jung. Da blieb kein Auge trocken und kein Finger steif – wie Simon manchmal in seiner bewusst eingesetzten Zweideutigkeit andeutete...
Aber dann, jetzt – seit einigen wenigen Tagen aufgestaut und entstanden: Dieses neue, dieses wunderbare nagende, innerlich brennende und ver­zehrende Gefühl in ihm, das in dieser Intensität ihm selbst in aller Ehrlichkeit unbekannt geblieben war.
Und dann diese Gefühle obendrein in jenem Metier der virtuellen Welten entstanden, wo er doch selbst als Meister der Täuschung bis hin zur Lüge agierend, mit Abstand am besten von allen hätte wissen müssen, dass wohl auch sein Gegenüber nicht immer bei der Wahrheit geblieben war. Ein Foto, das hatte er noch immer nicht zu erbeten gewagt von seiner Claudia, wenn er sie schon mit diesem Auszeichnung zu benennen wagte: »seine« Claudia. Aber auch selbst der Besitz eines ihrer Fotos, was hätte solch ein Abbild auch in Wirklichkeit geändert. Wo wäre der Beweis gewesen, dass sie auch wirklich diejenige ist, wie ihre Fotografie zu ver­sprechen scheint? Es wäre doch auch hier die Verwendung von geschönten und retouchierten Fotos im Spiel, alte Fotos, die von Freunden und Bekannten, oder ganz einfach irgendwelche anderen aus den Weiten des Internet genommen, um sich als Schönheit zu präsentieren und dadurch auf mehr Ansprache und Zuspruch zu hoffen.
Simon musste ja nur an seinen eigenen Teil der bisherigen Ge­schichte nach­denken, und was er dabei alles in blumig romantischer Schil­derung dar­ge­legt hatte. Und dennoch, einerseits war ja nicht wirklich viel ge­logen worden, bis eben auf das eine, in einer Beziehung wohl auch recht entscheidende, das er verschwiegen hatte. Früher hätte man ihn brutaler­weise als Krüppel be­zeich­net, nun war er im Sprachjargon eben nur ge­handikapt: Von der Hüfte abwärts gelähmt – und … es war ihm peinlich, selbst daran zu denken oder es in einer Art und Weise zu bereden, wie es die wenigsten Betroffenen wohl wirklich sehen und in der Auswirkung ver­stehen wollten oder aber konnten. Von der Hüfte abwärts, wie neutral es im medizinischen Jargon wohl auch immer formuliert erscheinen möge – da waren nicht nur die Beine betroffen davon, sondern auch …
Verdammt noch mal, wie konnte ich nur – wieso habe ich mich in diesen Rausch der Verliebtheit hinein geredet und sie auch mitgezogen und Hoffnungen erweckt, ich könnte der richtige sein. Wie kann ich aus dieser Wirrnis nur wieder aussteigen, ohne ihr genau so weh zu tun, wie mir selbst. Warum habe ich nicht die Versuche durchgezogen, die Wahrheit kund­zutun, wie es um mich wirklich steht, welche geringe Hilfe ich denn für sie wäre, wenn auch ich zum Teil in gewisser Hinsicht ein Pflegefall bin, der sich durch zwar gut laufende Vermittlungsdinge über Wasser hält. Aber dennoch – würde sie mir je glauben, dass ich für sie ehrlich geschrieben haben, wo ich doch ähnliche Worte für zig andere am Tag auch verwende, ohne aber dort mein eigenes Herz dahinter pochen fühle. Würde sie mir glauben können, verzeihen, dass ich sie belogen habe von allem Anfang an.
Und dann - von wegen sportlicher Triathlet, wie er sich immer noch so gerne sah und positionierte – ja, das war vor nunmehr fast zehn Jahren der Fall gewesen. Träume, von denen er immer noch zehrte, wie es war, seine Beine selbst und kontrolliert bewegen zu können und auch noch den für Jungs seines Alters so wichtigen Muskel dazwischen. Und nicht mit einem Mal dann mit aller brutaler Ernüchterung feststellen zu müssen, dass auch hier dazwischen fast immer Funkstille war, zumeist nur gefühllos schlaff und dann in seltenen Momenten, dass er Regungen sehen konnte. Die berühmte Schwellung in seiner Hose, aber das damit ver­bun­dene Gefühl komplett fehlend: das physische Gefühl absent, dadurch aber das in seinem Herzen aufgebaute erst recht spürbar. Das alles dann in Worte zu fassen, was andere vielleicht nicht in der Lage waren, weil ihnen das Blut zum Denken abgezogen wurde – so hatte er mehrmals zynisch und selbst lakonisch seine Regung oder die von anderen beschrieben. So auch hatte er seinen nunmehr jahrelangen wahren Freund und Mentor ge­troffen, mit dem er immer intensiver und erfolgreicher die Vermitt­lungs­dienste zwischen Menschen aufbaute – kraft seiner Worte und Ausdrucksweise, kombiniert mit einigen neueren technischen Tricks.

Das alles – ja, richtig – das hätte ich ihr früh genug auf die eine Art oder Weise beibringen und gestehen müssen, nicht sie dann bei unserem ersten Treffen aus allen Wolken fallen lassen … Aber das habe ich doch nicht in einem Chat anmerken können, da hätte ich doch niemals die Chance gehabt, weiter zu reden, sagte er sich, während er von seinem Rollstuhl herunter turnte und sich mit kräftig stützenden Arm­bewegungen auf die Brille der Toilette hin hob.
Nicht einmal jetzt, wo ich anhand der üblichen Zeit aus der Erfahrung her weiß, dass ich meine Blase entleeren sollte, stellte er resignierend fest, fühle ich, was von mir abgeht. Und wie soll ich damit dann erst recht je wieder … und auch wenn die Art der Intimität niemals beim berühmten ersten Mal mit Claudia angedacht gewesen wäre, zumindest nicht von ihm. Aber dieses drohende Fiasko würde wohl schnell ihre Verliebtheit beenden, ihr die Augen öffnen und rascher das im Realen beenden, was nur im virtuellen und in der Verträumtheit aller Beteiligten entstehen konnte.
Verdammt noch mal, Simon, schalt er sich zum wiederholten Male. Du bist einfach zu weit gegangen, du hättest wenigsten bei dir und im privaten Bereich bei der Wahrheit bleiben sollen.
Er turnte sich auf den Stuhl zurück, während er zugleich die Spülung betätigte und sodann Slip und Hose zurecht rückte. Allein die Figur, die ich hier beim … mache, er schüttelte den Kopf und raufte sich erneut die Haare. Hunderte Gedanken der Peinlichkeit fuhren durch seinen Kopf, marterten ihn wie mit feinen Nadelstichen und ließen kaum weitere klare Gedanken in ihm entstehen, wie er aus diesem selbst ver­ursachten Schlamassel je wieder heraus kommen könne.
Ich schicke meinen Bruder hin, als Stellvertreter wie in früheren Episoden üblich: Eine viel dümmere Idee wäre ihm wohl kaum einge­fallen, schalt er sich sofort erneut, da er ein wenig Abstand vom eigenen Schock gewonnen hatte. Peter, der so gerne den Casanova spielte: ja durch­aus, der Name Peter Neuhauser wäre weitaus treffender bei ihm an­ge­bracht gewesen. Aber weitaus schlimmer noch, grinste Simon mit Ironie und gewisser Selbstverbitterung – Peter würde gar nicht auf die Idee oder die Anspielung dahinter kommen, warum ich ihn Neuhaus(er) nenne, und falls doch, dann sähe er darin wohl immer noch eine Bestätigung und Auszeichnung seines Tun und Lassens, was das Erobern von Frauenherzen betreffen möge.

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