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Synopsis: Giella
Mein Roman ist schon im ersten Kapitel zum fiktiven Geschichtswerk mutiert. Was kann ich tun? Weiterschreiben natürlich.
Giella ist als die Geschichte der Anna Jagiellonka und dann irgendwie doch nicht.
Excerpt: Giella
Giella
Erstes Kapitel
"Alles Weinen, alle Heraklitschen Tränen"
33 Jahre unter der Fuchtel der Mutter. Gefolgsam und demütig, fromm dazu, sagen die Geschichtsbücher, in ihren Urteilen zumeist pauschal.
Die Mutter aus padusischem Fürstenhaus, aus einer jener Familien, die ihre Macht durch offene und verborgene Waffengewalt gründeten. Insofern stand ihr Tod in der Familientradition.
Ist sie einen langen Flur entlang gerauscht? War sie wütend, gekränkt, enttäuscht? Ihr Sohn war nicht so folgsam wie die Tochter, war nicht dazu erzogen, war zur Königswürde auserkoren. Wie auch immer. Kaum war ihr Gatte gestorben, da zog die Mutter in das heimische Padusien zurück. Nicht mit leeren Händen. Emsig hatte sie als Königin, genau gesagt als Königsgemahlin, Land aufgekauft, um den Besitz der Krone zu vermehren. Diese Vorgehensweise zeitigte Erfolg. Der Kronschatz wuchs und wuchs. Die Mutter bestand auf Auszahlung. Die wurde bewilligt. Man sah sie gerne von dannen ziehen. Beliebt hatte sie sich nicht gemacht. Von ihr blieben einige padusische Rezepte in der vistulischen Küche, einige Bauten im neuen Stil und der Verdacht, sie habe die Gemahlin ihres Sohnes vergiftet.
Reich und verwitwet genoss sie den schönen Familiensitz, die Sommerresidenz am See. Mehr als 30 Jahre in einem aus der südlichen Sicht wenigstens halb barbarischen Land, dem nur zu Gute gehalten werden konnte, ebenso gläubig zu sein, das Bollwerk gegen den Unglauben der völligen Barbaren zu sein. Ein mit Gold gepolsterter Ruhestand. So hätte es enden können.
Sie aber konnte die Hände nicht von der Politik lassen. Ihr Vermögen war kein Ruhekissen. Vermögen besaß man nicht, man nutzte es. Man nutzte es, mehr Macht zu gewinnen. Und den König des großen Dueria, dessen Schiffe die Meere durchpflügten zu Ländern voll Gold und Silber, diesen König zum Gläubiger zu haben, das war Macht.
Geblendet von der Macht war sie vielleicht nicht, dazu war sie zu gewitzt, zu sehr an Macht gewohnt. Aber abgelenkt von der Macht oder zu gewohnt an sie, so übersah sie die Gefahr. Warum sollte sich ein Gläubiger beherrschen lassen, wenn es einen weiteren, günstigeren Weg gab. Was galt schon ein Menschenleben gegen ein Königreich. Eine Denkweise, die ihr nicht fremd sein konnte. Ungewohnt war nur die Perspektive. Nicht sie handelte danach, sondern war von der Maxime betroffen.
So saß sie eines Abends im Kreise der Günstlinge und Schmeichler und vielleicht auch von wahren Freunden, wer mag das ausschließen. Der Diener tritt herein. In der Hand auf silbernem Tablett ein goldgehämmerter Pokal, gewiss mit Edelsteinen verziert. Vielleicht nicht geschmackvoll, aber beeindruckend kostbar. Der Schlummertrunk der Königinwitwe. Ein dunkler, schwerer Wein. Gewürzt? Oder trank man schon den puren Traubensaft? Dieser Pokal Wein war auf alle Fälle gewürzt. Der Privatsekretär nahm ihm den Diener ab. Vertrauter der Königinwitwe lag es an ihm, ihr den Trank zu kredenzen. Mit Sicherheit hat sie ihn nicht kurz gehalten. Aber Ehrgeiz und Gier kennen kein Maß. Letztendlich war der König von Dueria eben das und die Mutter Giellas Königinwitwe im Ruhestand. Sie nahm den Pokal von dem Tablett, das er ihr reichte. Sie setzte ihn an die Lippen, trank Schlückchen für Schlückchen. Am Geschmack fiel ihr nichts auf. Sie thronte im gepolsterten Sessel. Der Kopfschmuck ließ kein bequemes Zurücklehnen zu, die Würde ebenso wenig.
Was hat sie gespürt? Krämpfe im Unterleib? Erstarrten ihr Arme und Beine? Hielt sie es für Krankheit oder ahnte sie den Giftanschlag? Wie schnell war es vorbei? Die Hofdamen, die ihr Gesellschaft leisteten waren betroffen, waren überfordert. Oder waren sie eingeweiht?
Ein Arzt war schnell bei ihr. In einem solchen Hause gehörte eine Arzt zum Haushalt. Das half ihr nichts. Ob er ihr wenigstens Erleichterung verschaffen konnte ist fraglich. Wie alles fraglich ist, bloße Spekulation.


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