Genre: Horror & Thriller
About RavannaLocation: Bonn, Germany Home Region: Age:20 Website: http://ravanna.livejournal.com/ Favorite novels: The Stand, Misery, The Long Walk, Crime and Punishment Favorite writers: Stephen King, Fjodor Dostoyevsky, Franz Kafka, Terry Pratchett, Oscar Wilde Favorite music: Soundtracks - music by Akira Yamaoka, Nobuo Uematsu Non-noveling interests: playing videogames(I'm a huge Final Fantasy and Silent Hill fan), reading, listening to music, plotting, talking on the phone |
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Excerpt: Als der Schatten explodierte
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„Ja“, sagte er und lächelte. „Ich habe sie umgebracht.“
Rauch stieg von seiner Zigarette auf, er konnte auch zu denen der anderen gehören; er war nicht sicher, es schien nicht wichtig zu sein, wie sicher er war, es schien nicht wichtig zu sein, ob das, was er glaubte, auch tatsächlich der Wahrheit entsprach. Als er die Worte in seinem Kopf gehört hatte, wieder und wieder und wieder, da waren sie ihm falsch vorgekommen, abgrundtief falsch, nur dazu gemacht, dass er sie herausließ, immer schön ins Freie, und andere damit anstrahlte und verletzte und zugrunde richtete. Das Lächeln, das richtete auch. Selbst ihre Augen richteten, obwohl sie das nicht einmal zu bemerken schienen.
„Ich habe sie mit meinen Gedanken umgebracht.“
Die ihm gegenübersitzenden Männer warfen sich einen Blick zu, in dem alles zu stecken schien, was sie laut nicht zu sagen wagten.
Verrückt, konnte er hören; es hing auch in der Luft, noch dicker als Rauch. Oh ja, der Bengel ist verrückt.
Einer von ihnen war blond. Er strich sich das Haar mit einer Geste zurück, in der mehr Weiblichkeit lag, als er vermutlich in seinem ganzen Körper wissen wollte. Sein Partner war dunkel; die Zähne blitzten auf, wenn er von seinen Gedanken sprach. Dick und Doof. Blond und Dunkel. Es schien zwischen den Paaren keinen Unterschied zu geben; sie waren Seiten einer Münze, die in jeder Währung der Welt denselben Wert besaß.
„Und wie?“ Blond beugte sich vor. Seine Uniform knisterte. Er fragte sich, ob der Mann immer noch seine Dienstwaffe trug, obwohl er mit Handschellen an einen kleinen Tisch gefesselt war, aber er wagte nicht, die Worte auszusprechen. Sprechen war gefährlich, wenn man keinen Anwalt an seiner Seite hatte.
Er lachte leise, als er den neuen Blickwechsel bemerkte. Sie schienen beide zu glauben, er wäre von vorgestern; dass er nicht das Zucken ihrer Kehlen sah, all das, was sie zu Ungläubigen machte. Er verstand. Er wäre nicht anders als sie, hätte er nicht gewusst, dass-
Aus einem der Nebenzimmer kam das leise Klingeln eines Telefons. Tristan wartete, bis jemand abhob, bevor er sich selbst so weit vorbeugte, wie er es mit seinen Handschellen konnte. Sie klirrten leise; Geräuschkulisse, die ihn dumpf an sein zu Hause erinnerte, den Fernseher, den er kaum benutzte, glückliche Zeiten, die er im Kino mit Freunden verbracht und sich sinnlose Actionfilme angesehen hatte.
„Nun, wie soll so was schon gehen? Schauen Sie nie Fernsehserien? Niemals? Keiner von ihnen?“
Dunkel stöhnte und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Er wartete.
Tristan wartete auch.
„Ich sehe sie an“, sagte Tristan, als sich nur Stille auf ihn stürzte und an seinen Haaren zog, seine Schläfen eindrückte. Gehirnmasse drängte sich gegen seine Schädelwand. Sie schien aus seinen Ohren tropfen zu wollen, aber das richtige Loch nicht zu finden. Pech für sie. Vermutlich Glück für ihn. „Und dann denke ich mir, wie gut es wäre, wenn es diesen Menschen nicht mehr gibt, und dann, nun, dann kann ich anfangen zu manipulieren.“
Er glaubte nicht, dass sie es glaubten. Er war in seinem Leben erst einem halben Dutzend Menschen begegnet, das sich irgendwann dazu herabgelassen hatte, diese verfluchten Möglichkeiten in Betracht zu ziehen und mehr darauf zu richten als das Auge der Verachtung, aber er war nicht einmal jetzt, nicht einmal hier sicher, wie viele von ihnen das tatsächlich gedacht hatten, weil sie es wollten – und wie viel seine eigenen Finger an Fäden gezerrt hatten, die für normale Augen beinah vollkommen unsichtbar waren.
„Sie würden mich freilassen, wenn ich das wollte.“ Mehr lächeln. Es war immer wichtig, dass man seine Zähne zeigte und seine eigene Gefährlichkeit in den Vordergrund spielte. Sie war eine Leiche auf der Straße. Das Blaulicht hatte ihn geblendet, aber es hatte ihn nicht abgehalten, nein.
Dass er zu spät gewesen war, das, das hatte ihn abgehalten.
„Nun – das war eine verdammt gute Show“, sagte Blond. „Und auch wirklich gut erzählt – aber wir sollten mit den Späßen aufhören. Sie haben niemanden umgebracht. Sie haben nur jemanden umbringen wollen, wenn ich Ihr Gebrüll richtig deute.“
„Was meinen Sie mit deuten? Was meinen Sie mit Gebrüll?“ fragte er. Das Licht schien plötzlich heller zu sein, angriffslustiger, als wäre es durch das Gewebe aus Disziplin und Menschlichkeit gedrungen, das er so eng um sich legte und an das er sich hielt und nachdem er sich richtete. „Jemand hat das, was ich vernichten wollte, vor meinen Augen sterben lassen.“
Jemand lachte. Tristan erinnerte sich, dass er als kleiner Junge ähnliche Geräusche sich gegeben hatte.
„Wissen Sie, was das heißt? Wissen Sie, was das für ein Gefühl ist, wenn Sie etwas tun wollen, wenn Sie etwas so sehr tun wollen, dass Sie beinah schon glauben, es getan zu haben, und dann…“
Der Kaffeebecher vor ihm war kalt. Es schienen Stunden vergangen zu sein, seit man ihn hierher gebracht hatte. Stunden, die in seinem Kopf das Hämmern erweckt hatten. Das Hämmern war niemals gut.
„Ich halt das im Kopf nicht mehr aus.“
Tristan öffnete den Mund, als Dunkel den Stuhl zurückschob und gehen wollte – und dann öffnete sich die Tür der Polizeistation in diesem viel zu kleinen Ort in einem viel zu großen Land auf einem viel zu ungeordneten Planeten voll von leid, und voll von Glocken, die nur in Romanen und Erzählungen von einem Nichts geläutet werden konnten und eigentlich für jede dieser Bewegungen einen Mensch benötigten. Einen wie ihnen. Einen, der bewegen konnte, ohne tatsächlich anzufassen.
„Noch so einer“, sagte Blond. „Dabei ist es schon halb vier. Wo kommen die alle her?“
Tristan schwieg. Sein Blick war unverwandt auf das hagere Gesicht gerichtet, das durch den Raum blickte, als würde es suchen, ohne, dass die Augen einen Hinweis darauf gaben, was, WAS in diesem elenden Fokus stand. Die Hände waren vor dem Körper verschränkt und in Handschellen gefangen. Muskeln saßen in den Armen, die selbst bei dem Licht der Ehrlichkeit, das aus den Krankenhauslampen auf sie herabschien, beweglich und lebendiger wirkten, als sie es eigentlich durften. Tristan grinste, als er die Augen noch einmal betrachtete. Sie wirkten gelangweilt.
Jemand stieß das gelangweilte Gesicht weiter. Es machte sich nicht die Mühe, darauf zu reagieren; es ließ sich schieben, als wenn es zu einem Einkaufskorb und keinem Menschen gehörte. Ich hätte mich so zeigen sollen, dachte Tristan. Ich hätte das tun sollen. Vielleicht hätte man mich ernster genommen, wenn ich Langeweile gezeigt hätte statt – nun. Statt Triumph, den ich nicht einmal wirklich hatte.
Ein weiteres Männchen in Uniform schaute zu ihnen hinüber. Er tippte einem seiner Kollegen auf die Schulter und beugte sich vor, um so zu tun, als würde es geheime Informationen geben, die allein durch Flüstern von Seele zu Seele wandern konnten. Tristan wünschte sich, er könnte lachen, aber das war nicht möglich. Nicht jetzt. Nicht hier. Nicht, während draußen immer noch der Regen fiel, und damit auch die letzten Blutspuren fortschwemmte, die er eigentlich hatte herbeiführen wollen und die doch nicht durch seine Finger und sein DENKEN aus diesem Leib getreten waren.
„Den hab ich gerade aufgegabelt“, sagte der Polizist so laut, dass er ihn hörte. Menschen wussten nie, wann sie für andere zu Schatten und wann zu greifbaren Formen wurden.
„Und er hatte das dabei – deswegen dachte ich, ich bring ihn mit.“
Tristan reckte den Hals, aber er sah nichts – bis der Polizist dem gelangweilten Gesicht ein Blatt Papier aus den Händen nahm. Die Handschellen klickten leise gegeneinander. Der Blick glitt wieder über Tische, über Stühle, über leere Kaffeetassen und Menschen, die den Job, den sie erledigten, nicht liebten. Er blieb nicht an ihm hängen.
Tristan war viel zu viel damit beschäftigt, das Bild zu betrachten, als sich um diese Augen zu kümmern.
„Es ist sie. Die Tote. Sie ist es wirklich.“
Köpfe drehten sich – es waren die Blicke der Neugierde, die man einem schönen Mädchen hinterher warf, einem jungen Ding, das an einem Ort war, an dem es nichts zu suchen hatte, und er spürte, wie er fragen und wissen wollte; fragen, wissen, das schienen plötzlich wichtigere Dinge zu sein als die Frau, die er hatte umbringen wollen und die er doch nicht umgebracht hatte. Das gelangweilte Gesicht wurde mitsamt dem dazugehörigen Körper auf einen Stuhl gedrängt. Ein weiteres Paar Handschellen schnappte zu – Geräusche, die er selbst gut genug kannte, um belustigt das Gesicht zu verziehen und zu fragen: „Habt ihr wirklich nicht mehr auf dem Kasten als immer dieselben Dinge in immer derselben Reihenfolge zu tun?“
Dunkel und Blond kümmerten sich nicht um ihn; ihre Blicke waren starr auf den Neuzugang gerichtet. Der Polizist, der sich zu dem Gesicht hinabbeugte, war breiter als die anderen beiden, sah aber dennoch schneller aus. Tristan wagte nicht zu sagen, was geschehen würde, sollte das Gesicht aufspringen und aus seiner Langeweile ausbrechen, hinein in das wahre Wesen, das es ausmachte.
„Komplizen?“ fragte Dunkel den dicken Polizisten, und der Dicke wirkte so gehetzt und unsicher wie ein Reh, das auf die Straße stolperte und dann nicht mehr konnte, als sich umzuschauen, nicht mehr, als den Kopf in alle Richtungen zu drehen und zu suchen. Er biss sich auf die Unterlippe. Seine breiten Schultern hoben und senkten sich wieder. Er fuhr sich durchs Haar. Die Finger sahen verschmiert und schwitzig aus, als wenn sie zuvor noch in altem Bratenfett gelegen und sich daran gütlich getan hatten.
Ich kenne dich, dachte Tristan und betrachtete das gelangweilte Gesicht. Es drehte sich nicht zu ihm, sondern schien weiter nur geradeaus zu starren und dort zu sehen, was zu sehen war, dort zu schauen, was es nicht wirklich sehen sollte und dennoch mit dem Kopf, mit dem Herzen zu sehen war. Ich kenne dich, natürlich. Ich kann dich nur kennen. Du bist genau wie ich, oder? Du bist genau so wie ich.
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