Portrait de Synkona

About the author
Synkona
Novel: Die Stadt im Meer
Genre: Fantasy
19,293 words so far  

About Synkona

Location: Mainz, Germany

Home Region:
Europe :: Germany & Austria

Age:22

Favorite novels: The Hitchhikers Guide to the Galaxy

Favorite writers: Douglas Adams, Eoin Colfer,

Non-noveling interests: Dancing, Drawing, Reading, Playing Guitar

Joined: octobre 2, 2006

This Year: Official Participant

NaNoWriMo History:
'06 '07 '08

NaNoWriMo posts: 26

NaNoWriMo buddies: 9

 

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Synopsis: Die Stadt im Meer

Als der Astronom Roderick Clements einen Passierschein für die berühmte Stadt im Meer erhält, um an der dortigen Universität zu unterrichten, könnte er nicht glücklicher sein. Die meisten Menschen dürfen nur davon träumen, diese Stadt je zu Gesicht bekommen – die Geschichten erzählen von Wohlstand und schillernden Türmen, unter der Aufsicht des viel gerühmten Monarchen. Doch als Roderick von der Rebellenführerin Bess verschleppt wird, lernt er die Abgründe der Stadt kennen, denn der Wohlstand der Privilegierten hat seinen Preis. Er beginnt das System zu hinterfragen und setzt damit nicht nur seine Karriere aufs Spiel...

The City in the Sea:
When astronomer Roderick Clements receives a pass for the famous City in the Sea to teach at its’ University, he couldn’t be happier. Most people can only dream about ever seeing that city – there are stories about prosperity and dazzling towers, under survey of the much vaunted monarch. But when Roderick is kidnapped by rebel-leader Bess, he finds out about the darker parts of the city. The prosperity of the privileged comes with a price. As he begins to question the system, his career isn’t the only thing Roderick puts at stake…

Excerpt: Die Stadt im Meer

Der goldene Baum im Vorhof der Universität zeigte Roderick, wie viel Zeit verging. Die Blätter fielen zu Boden, eines nach dem anderen, bis das Gold verschwand und sich in kahle, schwarze Äste verwandelte. Er hatte seinen Alltag gefunden, fand den Weg zu den Hörsälen wie selbstverständlich und kannte die Namen seiner meisten Studenten. Er hatte mit Kollegen anderer Fachrichtungen diskutiert und der Stadtbibliothek einen Besuch abgestattet. Er hatte sich eingewöhnt. Vielleicht war das der Grund, warum er Lydia seit einem halben Mond nicht mehr in seinen Veranstaltungen gesehen hatte.
Jamil sagte, dass der Winter Einzug hielt, obwohl nach seinen eigenen Worten in der Stadt im Meer kein Schnee fiel. Niemals. Nur kälter werde es. Deswegen brachte er jeden Morgen Feuerholz, um den Kamin in Rodericks Räumen anzuheizen. Das Holz kam vom Kontinent sagte er, nachdem Roderick bemerkt hatte, dass es in der Stadt im Meer kaum Bäume gab. Manchmal wanderte Roderick nachts an den Kanälen entlang zum Rande der Stadt, wo er von einem Steg aus über das Meer hinwegschaute und den Geschichten der Wellen lauschte. In einer dieser Nächte folgte sie ihm. Er wusste, dass sie da war, wie sein eigener Schatten, aber er drehte sich nicht um. Er setzte sich auf die Holzplanken an einer Anlegestelle und wartete. Lydia erschien lautlos. Sie ließ sich neben ihm nieder, folgte seinem Blick zum Mond hin und sagte einige Zeit lang gar nichts. Roderick war derjenige, der schließlich das Schweigen durchbrach.
„Sie sind mir den ganzen Weg gefolgt“, stellte er fest und versuchte die Unruhe abzuschütteln, die er in ihrer Nähe verspürte.
„Es ist das erste Mal, dass Sie es bemerken“, entgegnete Lydia und die Worte trugen nicht gerade dazu bei, dass Roderick sich wohler fühlte. Sie hätte bei ihrem Mann sein sollen, der jeden Abend auf einem anderen Empfang zugegen war.
„Warum?“, fragte Roderick.
„Ich bin seit zehn Jahren in dieser Stadt“, sagte sie, anstelle einer Antwort. „Nicht einmal habe ich sie verlassen. Und seit mehr als zwei Jahrzehnten habe ich meine Heimat nicht gesehen.“
Roderick fragte sich, warum sie ihm das alles erzählte, aber er sprach es nicht laut aus.
„Ich komme von den Inseln“, fuhr Lydia fort. „Ganaray, wenn Sie es genau nehmen. Unter meinem Volk ist ein Glaube verbreitet, der sich nie ganz auf den Kontinent vorgewagt hat. Wir glauben, dass manche unter uns mit der Gabe geboren werden.“
Roderick schnaubte, er konnte es nicht verhindern. Er hatte noch nicht viele Menschen von den Inseln getroffen, aber vielleicht erklärte ihre Herkunft Lydias seltsame Art, nach allem, was er gehört hatte. Die Wissenschaft glaubte ungern an das, was sie nicht erklären konnte.
„Die Gabe?“, wiederholte er. „Sie meinen im Sinne von... Magie?“
„Wenn Sie es so nennen möchten“ Lydias Finger griffen nach der Muschelkette, die um ihren Hals hing. „Aber ich bin keine Zauberin. Ich sehe Dinge, auch solche, die noch kommen werden.“
„Sie können in die Zukunft sehen?“ Roderick schnaubte erneut.
„Sie glauben mir nicht“ Es war eine Feststellung, keine Frage.
„Es tut mir leid“, entschuldigte sich Roderick.
„Ich sehe manchmal in die Sterne, ebenso wie Sie“, fuhr Lydia fort und untermalte ihre Worte, indem sie gen Himmel schaute. „Ich kann sie flüstern hören. Sie nicht?“
„Ich beobachte sie. Es sind nur Sterne.“
Lydia lachte leise, dann schwieg sie erneut. Den Blick hatte sie weiterhin gen Himmel gerichtet, die Hände ruhten in ihrem Schoß. Sie bewegte sich nicht, minutenlang. Immer wieder schaute Roderick zu ihr hin, doch sie schien erstarrt zu sein. Erst als er sich erheben wollte, um den Heimweg anzutreten, erwachte sie aus ihrer Trance. Ihre Hand griff nach seiner. Roderick hielt inne und blickte auf ihre Finger hinab. Er setzte sich wieder.
„Warten Sie“, flüsterte Lydia. „Noch einen Moment. Ich muss es wissen.“
„Wissen?“, wiederholte Roderick. „Wovon reden Sie?“ Er zog seine Hand zurück, doch Lydia griff erneut danach, zog seinen ganzen Unterarm zu sich hin und drehte ihn so, dass Rodericks Handfläche nach oben zeigte.
„Ich muss wissen, warum Sie wichtig sind“, sagte Lydia und strich mit dem Zeigefinger über die Linien auf Rodericks Handfläche. Er zuckte unter ihrer Berührung zusammen.
„Ich bin nicht wichtig“, widersprach er. „Nicht mehr als Sie es sind.“
Lydia lachte und ihre Augen leuchteten, als sie ihn anblickte.
„Ich denke, Sie haben Unrecht. Nur eine Minute Ihrer Zeit. Um mehr als das bitte ich nicht.“ Roderick nickte stumm. Er wollte ihr den Gefallen tun und sei es nur, damit sie ihn hinterher gehen ließ.
„Sie sind so verworren“, erklärte Lydia. „Sehen Sie mir in die Augen.“
Roderick schluckte als er aufschaute. Seine Kehle fühlte sich zu trocken an. Lydia legte die linke Hand an Rodericks Wange, während ihre rechte immer noch seine hielt. „Sehen Sie den Sturm?“, fragte sie, ihre Stimme so leise, dass sie sich fast im Rauschen der Wellen verlor. Alles, was Roderick sah, waren ihre tiefen Augen. Bodenlos. Dann senkten sich ihre Lider, als sie auf seine Hand hinabschaute. „Hören Sie den Wind?“
„Ich...“ Roderick wollte den Kopf schütteln, doch er sein Körper gehorchte ihm nicht mehr.
„Die See wird unruhig“ Lydias Stimme kam wie von weit her, aus einer anderen Welt – ihrer eigenen. „Der Sturm, er greift nach der Stadt, er packt sie, er zerrt an ihr, er... der Sturm! Sehen Sie den Sturm?“ Ihr Atem ging schneller. Sie zog Rodericks Kopf ruckartig zu sich heran, so dass ihrer beider Gesichter kaum Zentimeter voneinander entfernt waren. Ihre Augen huschten unruhig umher. „Sehen Sie ihn?“, fragte sie noch einmal, mit einer solchen Dringlichkeit in der Stimme, als hinge ihr Leben von seiner Antwort ab.
„Es... nein...“
„Sehen Sie hin!“, schrie Lydia, so laut, dass Rodericks Herz einen Schlag aussetzte. Sie stieß sein Gesicht von sich fort, riss ihre Hand los und sprang auf, rastlos. Mit den Händen fuhr sie durch ihr Haar, schüttelte den Kopf – immer wieder – als sie sich zu Roderick umwandte, der kaum noch zu atmen wagte. „Sie sind doch sein Auge“ Lydia wankte so nah am Rand des Steges, dass Roderick fürchtete, sie würde in die Fluten stürzen.
„Auge...“, flüsterte er.
„Das Auge des Sturms!“ Sie ging vor ihm in die Hocke, umfasste sein Gesicht, dieses Mal mit beiden Händen. „Sie! Sie sind das Auge des Sturms.“
Sie ließ von ihm ab und sank in sich zusammen. Einen Moment lang dachte Roderick, sie sei in Ohnmacht gefallen, doch sie sah ihn immer noch an. Auch als ihr Atem wieder ruhiger wurde und der Blick ihrer Augen das verzweifelte glitzern verlor – auch dann noch.

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