Genre: Young Adult & Youth
About JuttaJLocation: Münster, Germany Home Region: Age:37 Website: http://www.jutta-jordans.de Favorite writers: Neil Gaiman, Stephen Brust, Guy Gavriel Kay, Pat Conroy, Andreas Eschbach, Astrid Lindgren, John R. R. Tolkien ... Favorite music: Soundtracks and Classic Non-noveling interests: Programming, music, traveling |
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Synopsis: Die Zeitreisenakademie
Die neugegründete Zeitreisenakademie öffnet ihre Pforten. Sie ist darauf ausgerichtet, ihren Studenten die Grundlagen der praktischen und theoretischen Chronautik zu vermitteln. Aber auch andere Fächer wie Artefaktsicherung, vergleichende Sprachwissenschaft oder Holistik stehen auf dem Stundenplan. Das Chronoskop, dass es ermöglicht, vergangene Punkte im Raum-Zeit-Kontinuum zu erfassen und die angeschlossene Zeitkammer mit der Chronauten tatsächlich in die Vergangenheit reisen können, versprechen neue Erkenntnisse in vielen Wissenschaftsbereichen. Doch nicht jede Vergangenheit ist so wie erwartet und nichts, was in einer durch das Chronoskop besuchten Zeit verändert wird scheint Auswirkungen auf die Gegenwart zu haben.
Nicht zuletzt weil die Hintergründe der Zeitreise noch gänzlich ungeklärt sind, warnen Kritiker, allen voran die Organisation ZEITFALLE, vor übereilten Experimenten mit der Chronautik.
Inmitten der Kontroverse zwischen Chronautikgegnern und Befürwortern tritt der erste Jahrgang der Akademie zum Studium an. Billy, Joscha, Maus und den anderen Studenten stehen aufregende Zeiten bevor.
Excerpt: Die Zeitreisenakademie
Obwohl die Mensa offensichtlich mir Bedacht auf zukünftige Jahrgänge gebaut war und die wenigen Studenten sich in der Weite des Raumes ziemlich verloren, war der Lärm aus Stimmengewirr und Stühle rücken fast unerträglich. Wahrscheinlich lag das am Hall. Joscha schaute zur Decke. Hier könnte man fast eine Stabhochsprunganlage aufbauen, dachte er und versuchte abzuschätzen, welche Stablänge er wählen müsste, um auf Höhe der Neonleuchten zu gelangen, die an Ketten von der Decke hingen. Viereinhalb Meter müssten es schon sein, entschied er.
„Ist der Platz hier frei?“
Joscha wandte den Blick von der Decke und sah einen schlaksig wirkenden jungen Mann mit schulterlangen Haaren vor sich stehen. Er machte eine einladende Handbewegung, woraufhin der andere erleichtert sein Tablett absetzte und sich auf den Stuhl ihm gegenüber setzte.
„Ich bin Kolya“, sagte er dabei.
„Cooler Name. Russisch?“, fragte Joscha. Dann erinnerte er sich an seine Manieren. „Ach ja, ich heiße Joscha“, setzte er hinzu.
„Mein Vater ist Russe“, erklärte Kolya. „Aber aufgewachsen bin ich größtenteils in Deutschland. Meine Mutter ist Französin, da haben die beiden wohl beschlossen, sich irgendwie in der Mitte zu treffen.“
Es kehrte eine Minute des Schweigens ein, während sie sich beide über das Essen auf ihren Tabletts hermachten. Es gab Reis, der aus unerfindlichem Grunde auf dem Speiseplan als Risotto bezeichnet worden war, mit einer schwer zu identifizierenden Masse, die unter dem Namen „ungarisches Gulasch“ angepriesen wurde und einem kleinen Salat, dessen wenigen Blätter in einer unglaublichen Menge an weißem, geschmacksneutralen Dressing ertränkt waren.
„Nicht unbedingt haute cuisine, hm?“, fragte Kolya. Joscha zuckte die Schultern.
„Nee, aber immer noch besser als alles, was ich selber kochen könnte. Und auch nicht viel anders als auf dem Sportinternat.“
„Oh, du bist Leistungssportler?“, fragte Kolya.
„War“, korrigierte Joscha. „Stabhochsprung. Ich musste mich entscheiden, Akademie oder Sportkarriere. Beides geht nicht. Na ja, und wenn ich ehrlich sein soll, lief es sowieso nicht mehr so toll. Ich hatte letztes Jahr ziemlich viel Pech, erst einen Bänderriss, der trotz OP nur schlecht geheilt ist, und dann hab ich mir auch noch einen Finger gebrochen. Danach war ich so im Trainingsrückstand, dass ich mir sämtliche Wettkämpfe von der Backe wischen konnte. Da fängt man dann schon an zu denken. Ich meine, Stabhochsprung ist ja nicht Profifußball oder Eishockey oder so was. Selbst wenn man ein Weltklasse-Springer ist, wovon ich weit entfernt war, kann man da nicht wirklich von leben, oder höchstens für ein paar Jahre.“
„Na, zumindest brauchst du dir um körperliche Fitness dann keine Sorgen zu machen. Ich hab gehört, dass zur praktischen Chronautik ein ziemlich herbes Sportprogramm gehört. Da gruselt es mich ein bisschen vor“, gab Kolya zu. Joscha lachte.
„Mich gruselt’s eher beim Gedanken an die Theorie. Ich bin nicht so ein Matheass. Und gut auswendig lernen kann ich auch nicht. Überhaupt ist durch den Sport die Schule bei mir immer ein bisschen zu kurz gekommen. Ich war echt erstaunt, dass ich an der Akademie überhaupt angenommen worden bin. Ich hoffe nur, ich bestehe diesen blöden Chronautik-Test. Wenn ich nicht praktische Chronautik im Hauptfach nehmen kann, bin ich tot.“
„Und was willst du im Nebenfach machen?“
„Weiß ich noch nicht so genau. Artefaktsicherung klingt cool, aber da muss man fit in alten Sprachen sein, Latein und Griechisch und so, das ist dann schon wieder nichts für mich. Und diese ganze Holistik und Bewusstseinsforschung und so, das ist mir zu verkopft. Ich brauch was Reelles. Ich lass das mal so auf mich zukommen, ich hab ja noch einen Monat Zeit, mich zu entscheiden. Und du?“
„Ich studiere vergleichende Sprachwissenschaft im Hauptfach. Und wenn es klappt, würde ich halt gerne praktische Chronautik im Nebenfach nehmen, um die Chance zu kriegen, die Sprachen dann auch vor Ort oder besser vor Zeit zu studieren.“
Über ihren Köpfen heulte ein Lautsprecher eine Rückkopplung. Kolya und Joscha zuckten beide zusammen und mussten lachen. Dann wurde die Lautstärke reduziert und eine Stimme wurde hörbar.
„Entschuldigung, die Anlage ist wohl noch nicht richtig eingestellt. Ich wiederhole also: Frau Michaela Brenner wird gebeten, sich unverzüglich zum Chronautik-Befähigungs-Test in der Zeitkammer, Raum 118, Gebäudeteil B einzufinden.“
„Ach du Scheiße!“, fluchte eine weibliche Stimme irgendwo hinter Joscha. Er drehte sich um und sah ein kleines zierliches Mädchen, das eigentlich viel zu jung aussah, um die Akademie zu besuchen, aufspringen. Sie schob sich, schon im Stehen, noch schnell eine Gabel voll Essen zwischen die Zähne und rannte zum Ausgang.
„Hey! Viel Glück!“, rief Kolya ihr nach. Sie drehte sich im Laufen um und warf ein schnelles „Danke“ zurück, was fast dazu geführt hätte, dass sie gegen die Glastür des Ausgangs gekracht wäre. In letzter Sekunde konnte sie sich noch abfangen und rannte dann durch den dahinter liegenden Gang entlang davon.
„Dass man das nicht besser timen kann ist aber schon etwas stressig, hm?“, kommentierte Kolya. Joscha musste ihm Zustimmen. Er war emotionalen Stress aus dem Wettkampfsport gewöhnt, aber da wusste man zumindest ungefähr, wann man das nächste Mal mit einem Sprung an der Reihe sein würde und konnte sich gedanklich darauf vorbereiten.
„Meinst du, sie wird es schaffen?“, fragte er Kolya.
„Keine Ahnung. Erstens kenne ich sie nicht und zweitens weiß man das sowieso nie. Bisher hat doch keiner eine Ahnung, was Chronautik-Fähigkeit genau ist und warum es bei manchen Menschen klappt und bei anderen nicht. Wir werden in Bewusstseinsforschung einiges drüber lernen. Ist ein spannendes Thema. Eine gängige Theorie besagt, dass Menschen, die nicht chronautikfähig sind, ihre bewusste Existenz im Hier und Jetzt nicht loslassen können. Klingt erst mal nett, berücksichtigt aber nicht, dass Chronauten beim Übergang unter Vollnarkose stehen.“
„Sie tun was?“, fragte Joscha nach.
„Wusstest du das nicht? Du wirst betäubt, wenn du in die Zeitkammer kommst. Eben damit du keine bewusste Verbindung mehr zur hiesigen oder besser jetzigen Realität hast. Solange du nämlich weißt, dass du eigentlich hier und jetzt bist, kannst du nicht gleichzeitig woanders sein. Ist wie mit Schrödingers Katze. Das faszinierende ist also, dass dieser Theorie nach nicht chronautikfähige Menschen selbst wenn sie bewusstlos sind noch wissen, wer, wo und wann sie sind.“
„Vielleicht ist die Narkose einfach nicht stark genug?“
„Nein, daran scheint es nicht zu liegen. Überhaupt ist die ganze Theorie eigentlich schon widerlegt. Ein Professor Meinhardt hat da nämlich vor ein paar Jahren ein ziemlich provokatives Experiment gemacht. Er hat versucht, die Leiche eines nicht chronautikfähigen Menschen mit in die Vergangenheit zu nehmen.“
„Echt? Und was ist passiert?“
„Nichts. Selbst die Leiche konnte die Zeitreise noch verhindern.“
„Dann kann es also nicht am Bewusstsein liegen“, schloss Joscha. „Leichen haben kein Bewusstsein.“
„Sollte man annehmen“, bestätigte Kolya. „Trotzdem haben Meinhardts Experimente an der gängigen Lehrmeinung nichts geändert. Angeblich war das Experiment nicht ausreichend dokumentiert und ist deswegen nicht beweiskräftig. Das gab einen ziemlichen Streit damals und Meinhardt hat seinen Forschungsauftrag verloren.“
„Woher weißt du das alles?“, fragte Joscha.
„Ich lese viel. Na ja, und seit ich weiß, dass ich auf die Akademie gehen werde, habe ich mich ziemlich intensiv mit der Geschichte der Zeitreise beschäftigt. Ist schon wirklich spannend. Genau genommen weiß man eigentlich überhaupt nichts darüber, was da wirklich passiert. Da haben diese ZEITFALLE-Aktivisten schon Recht. Irgendwie ist es ein Spiel mit dem Feuer.“
„Ach komm, bitte. Das sind doch radikale Spinner. Wie sollen wir denn mehr über Chronautik herausfinden, wenn nicht durch Zeitreisen selbst.“ Joscha merkte, dass seine Stimme scharf geworden war. Über das Thema ZEITFALLE wollte er jetzt wirklich nicht reden. Das erinnerte ihn zu sehr an seinen Vater. Kolya schien sein Unbehagen zu bemerken und wechselte schnell das Thema.
„Wohnst du im Wohnheim?“, fragte er. Joscha schüttelte den Kopf.
„Nee, hab ich überlegt, ist ja echt günstiger, aber ich habe die letzten fünf Jahre auf dem Sportinternat immer mit anderen Leuten auf einer Bude gewohnt. Ich wollte endlich was eigenes. Ich habe mir in der Stadt eine kleine Bude gemietet. Ist winzig, so ein Wohnküchenklo halt, 18 qm, aber dafür kann ich da schalten und walten wie ich will und auch mal die Musik auf drehen oder den Müll nicht raus bringen. Und du?“
„Ich wohne im Wohnheim 3 in einem Zweibettzimmer. Meinen Mitwohni kenne ich aber noch nicht. Ich hoffe, der ist okay. Aber das Haus ist ganz nett, ist halt alles neu und so. Im Keller ist sogar ein Schwimmbad.“
„Geil. Meinst du, da kann ich ab und zu ein paar Bahnen drehen? Im Prinzip müsste ich nämlich im Moment noch ein tierisches Sportprogramm durchziehen, zum Abtrainieren. Ich hab das nur ein bisschen schleifen lassen in den letzten Wochen. Tat einfach so gut mal aus der Trainingstretmühle raus zu sein.“
„Klar, ich glaube nicht, dass da jemand kontrolliert, ob die Leute, die da schwimmen, auch echt im Wohnheim wohnen. Bisher kennt sich ja sowieso keine Sau. Du bist also herzlich eingeladen.“
„Danke. Hey, guck mal, da ist sie ja schon wieder.“ Joscha nickte in Richtung Eingangstür, durch die das Mädchen von vorhin gerade wieder die Mensa betrat. Sie sah blass aus, grinste aber dermaßen über das ganze Gesicht, dass am Ausgang des Tests kein Zweifel bestehen konnte. Joscha und Kolya waren nicht die einzigen, die ihr erwartungsvoll entgegensahen. Mehr oder minder alle, die ihren überstürzten Abgang vor einigen Minuten beobachtet hatten, stellten jetzt ihre Unterhaltung ein und sahen zu ihr hin. Als sie die Aufmerksamkeit bemerkte, die man ihr entgegen brachte, blieb sie stehen und reckte triumphierend eine Faust in die Luft.
„Yeah!“, rief sie. Allgemeines Lachen und Applaus waren die Antwort. Als sie an ihrem Tisch vorbei kam, sprach Joscha sie an.
„Wie ist es denn genau abgelaufen?“, fragte er. Sie hielt inne.
„Oh, ganz easy eigentlich, ich hätte gar nicht so nervös sein brauchen.“
Kolya schaltete sich ein.
„Herzlichen Glückwunsch erst mal“, sagte er. Dann schob er ihr mit dem Fuß einen Stuhl hin. „Setz dich mal hin. Du siehst ziemlich blass aus.“
Erleichtert ließ sie sich auf den angebotenen Stuhl fallen.
„Ja, ich fühle mich ein bisschen wackelig“, gab sie zu. „Ist wohl eine Auswirkung der Narkose. Die Ärztin hat mir gesagt, ich solle mich noch ein bisschen ausruhen, aber ich hab ja alle meine Sachen noch hier und überhaupt bin ich viel zu aufgekratzt, um jetzt irgendwo still liegen zu bleiben.“
„Willst du was trinken?“, fragte Joscha. „Ich hol dir ein Glas Wasser.“ Bevor sie ja oder nein sagen konnte, war er schon aufgesprungen und zum Wasserspender gegangen. Als er mit dem vollen Pappbecher zurück kam, griff sie gierig danach.
„Danke. Das ist wirklich nett von dir. Jetzt, wo ich sitze, merke ich erst, wie zittrig ich bin.“
„Wahrscheinlich lässt der Adrenalinstoß nach“, sagte Joscha. „Da fühlt man sich immer so.“
Kolya stellte sich und Joscha vor.
„Dein Name ist Michaela?“, fragte er dann nach. Sie nickte.
„Ja, aber so nennt mich keiner. Ich bin Maus.“
Joscha lächelte. Der Name passte.
„Darf ich fragen, wie alt du bist?“, erkundigte er sich. „Ich meine, ich will dir nicht zu nahe treten, aber du siehst irgendwie ziemlich jung für die Akademie aus.“
„Ich bin siebzehn“, sagte Maus und man konnte ihrer Stimme anhören, dass sie daran gewöhnt war, dass sie ihr Alter nennen musste.
„Na ja, das ist ziemlich jung für die Akademie“, sagte Kolya. „Ich dachte, man müsste Abitur oder einen entsprechenden Schulabschluss haben, um zugelassen zu werden.“
„Ich habe Abitur“, sagte Maus und diesmal war die Resignation in ihrer Stimme nicht zu überhören. „Ich habe zwei Klassen übersprungen.“
„Wow“, entfuhr es Joscha. „Ich neige mein Haupt in Ehrfurcht.“ Er bemerkte ihren skeptischen Blick.
„Ehrlich“, fügte er schnell hinzu. „Ich selbst habe es immer nur mit Ach und Krach und viel gutem Willen der Lehrer geschafft, nicht sitzen zu bleiben. Dafür kann ich 5,82 m hoch springen.“
Sie schien einen Moment zu überlegen, ob er sie jetzt auf den Arm nahm. Joscha setzte sein treuherzigstes Lächeln auf und schien sie zu überzeugen, denn sie lächelte ebenfalls.
„Und du? Was hast du für versteckte Talente?“, fragte sie Kolya.
„Ich spreche 27 Sprachen, 5 davon fließend“, antwortete er.
„Cool“
„Ja“, konnte Joscha es sich nicht verkneifen, „wir sind schon alle verdammte Genies.“ Sie lachten. Plötzlich kippte Maus seitlich vom Stuhl. Joscha griff schnell zu und konnte zumindest verhindern, dass sie mit dem Kopf aufschlug. Erschrocken schaute er zu Kolya auf.
„Ich hol Hilfe“, sagte der und rannte los. Maus schlug die Augen auf und blickte verwirrt um sich. Joscha packte sie unter den Achseln und zog ihren Körper, der immer noch halb auf dem Stuhl hin, auf den Boden in eine bequemere Position.
„Die bist plötzlich umgekippt“, erklärte er. „Wie fühlst du dich?“
„Ich … ich weiß nicht. Ganz okay, glaub ich.“ Maus setzte sich auf und Joscha stützte ihre Schultern.
„Langsam“, mahnte er. Einige der umsitzenden Studierenden waren aufmerksam geworden und kamen heran.
„Können wir irgendetwas helfen“, fragte eine von ihnen. Maus schüttelte den Kopf.
„Nein, echt. Bloß keinen Aufstand. Es geht schon wieder.“ Sie wollte aufstehen, doch Joscha hielt sie zurück.
„Nichts gibt’s. Du bleibst jetzt erst mal da unten sitzen für ’nen Moment.“
Eine Ärztin in weißem Kittel rauschte gefolgt von Kolya herein.
„Frau Brenner, als ich Ihnen gesagt habe, Sie sollen sich noch ein wenig hinlegen, habe ich damit nicht den Fußboden der Mensa gemeint“, schalt sie, aber sie lächelte dabei.
„Aber als ich aus der Zeitkammer wegging, ging es mir gut“, beteuerte Maus, „ehrlich.“
Die Ärztin hockte sich neben sie, nahm ihren Puls und legte ihr eine Blutdruckmanschette um den Arm.
„Bisschen niedrig“, kommentierte sie dann, „aber nicht unbedingt dramatisch. Haben Sie jetzt noch irgendwelche Beschwerden?“
„Hunger“, antwortete Maus prompt.
„Na, dagegen wird sich ja wohl etwas unternehmen lassen. Schon gerade in diesen geheiligten Hallen“, neckte die Ärztin.
„Ist sie okay“, fragte Joscha.
„Ich denke schon. Wir kennen uns noch nicht, glaube ich. Mein Name ist Winter. Ich bin die für die Chronauten zuständige Anästhesistin und gleichzeitig die Betriebsärztin für die Akademie.“
„Joscha Rau … äh … Velbert“, stellte Joscha sich vor und hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Seinen richtigen Namen brauchte hier niemand zu wissen. Er hatte einige Hebel in Bewegung setzen müssen, um sich unter dem Mädchennamen seiner Mutter in der Akademie einzuschreiben. Als Grund hatte er immer angegeben, dass er als Leistungssportler eine gewisse Prominenz besaß und nicht von irgendwelchen Reportern belästigt werden wollte. Das war natürlich Quatsch, wer interessierte sich schon für einen mittelmäßigen Stabhochspringer? Der wahre Grund war einzig und allein, dass er nicht mit seinem Vater in Verbindung gebracht werden wollte. Markus Raumeyer war nun wirklich ein Name, den jeder kannte, der sich auch nur im Entferntesten für die Debatte um Zeitreisen interessierte. Und was würden seine zukünftigen Kommilitonen und Dozenten wohl sagen, wenn sie erfuhren, dass er der Sohn des Vorsitzenden der ZEITFALLE und schärfsten Gegners jeglicher Form von Zeitreisen war. Nein, diese Komplikationen wollte Joscha sich ganz gerne ersparen. Und das würde ihm nicht gelingen, wenn er nicht etwas vorsichtiger war.
Doch die Ärztin schien seinen Beinahe-Versprecher nicht bemerkt zu haben und hatte sich wieder Michaela zugewendet.
„Sie nehmen sich jetzt ein Taxi und fahren nach Hause. Für den restlichen Tag schreibe ich Ihnen ein Attest. Herr Neschjenko, Sie sorgen dafür, dass Frau Brenner auch wirklich in das Taxi steigt“, befahl Sie mit einem Blick auf Kolya. Der nickte gehorsam.
„Jawoll“, sagte er und Joscha hätte sich nicht gewundert, wenn er noch ein zackiges „Frau Feldwebel“ hinzugefügt hätte. Joscha half Maus beim Aufstehen und Kolya hakte sie unter.
„Wir sehen uns später im Einführungskurs“, verabschiedete der Halbrusse sich von Joscha.
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