Portrait de dertypausdemtheater

About the author
dertypausdemtheater
Novel: An einem Tag im Juni
Genre: Literary Fiction
23,440 words so far  

About dertypausdemtheater

Location: Hannover

Home Region:
Europe :: Germany & Austria

Age:27

Website: http://www.moatheater.de

Favorite writers: Wolfgang Borchert, Paul Celan, John von Düffel

Favorite music: irgendwas für die passende Atmosphäre

Non-noveling interests: Theater, Theater, Theater

Joined: octobre 25, 2007

This Year: Official Participant

NaNoWriMo History:
'07 '08

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Excerpt: An einem Tag im Juni

„Vögel sind die wahren Könige der Tiere“, hatte mein Opa immer gesagt. „Hast du schon mal einen Löwen ein ganzes Meer durchschwimmen sehen? Oder einen Elefanten einen steilen Gipfel des Gebirges erklimmen? Ein Vogel schafft dies alles spielend. Er ist zwar klein und zierlich. Seine Flügel sind zerbrechlich wie Glas. Aber in ihm steckt eine große, ungeheure Kraft.“
Es war im Sommer gewesen. An einem Tag im Juni. So wie heute. Die Sonne stand hoch am Himmel und kitzelte meine Nase, wenn ich versuchte, hinein zu blicken. Opa und ich waren den ganzen Vormittag durch den Wald am Rande des Dorfes, wo meine Großeltern lebten, gelaufen. Wir hatten wilde Beeren gesammelt, Hasen beobachtet und waren schließlich den kleinen Berg hinauf geklettert, der mir als Kind so riesig vorkam, dass ich noch unten glaubte, ich könnte die Wolken berühren, wenn ich auf dem Gipfel stehen würde. Als wir oben ankamen, stellte ich mich auf die Zehenspitzen und streckte meine Finger aus. Doch so sehr ich mich auch bemühte, der Himmel war unerreichbar. Opa lachte und sagte: „Warte, Adri, ich hebe dich hoch.“ Dann griff er mich unter den Armen, hob mich nach oben und trat mit mir an die Kante. „Und jetzt sieh nach oben, mein Kind.“ Über mich schloss sich der Himmel in seinem tiefsten Blau. Ich strampelte leicht mit den Beinen und mein Opa ließ mich nach links und nach rechts schweben. Die Wolken bewegten sich auf mich zu, der Wind blies durch mein Haar. Und ich vergaß die Arme meines Opas. In diesem Moment glaubte ich wirklich, im Himmel zu sein und zu fliegen. Dann senkte ich den Blick. Von hier oben sah das Dorf aus wie Spielzeug. Ich meinte, das Haus meiner Großeltern mit den roten Ziegeln über den dunkelbraunen Holzbalken greifen und wegsetzen zu können. Ich konnte es abstellen, wo ich wollte. Neben den See oder hier oben auf dem Berg. Oder ich hätte es mit nach Hause nehmen und meinen Opa dann täglich besuchen können. „Siehst du, Adri, jetzt bist du wie der Vogel. Du bist stärker als der Elefant und stärker als der Löwe. Denn du kannst fliegen. Flieg, Adri, flieg!“ Er lachte sein tiefes Lachen und hob mich höher an den Himmel. Ich fühlte keine Angst, denn seine Arme hielten mich. Sein Lachen trug mich zu den Wolken, tauchte mich in tiefes Blau. Ich strampelte, jauchzte und streifte durch die Wolken wie der Wind.

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