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About the author
JuttaJ
Novel: Der Befreier - Kampf um GorTara 2
Genre: Young Adult & Youth
9,983 words so far  

About JuttaJ

Location: Münster, Germany

Home Region:
Europe :: Germany & Austria

Age:36

Website: http://www.jutta-jordans.de

Favorite writers: Neil Gaiman, Stephen Brust, Guy Gavriel Kay, Pat Conroy, Andreas Eschbach, Astrid Lindgren, John R. R. Tolkien ...

Favorite music: Soundtracks and Classic

Non-noveling interests: Programming, music, traveling

Joined date: Oktober 17, 2006

Years done NaNoWriMo:
'06

Years won NaNoWriMo:
'06

NaNoWriMo posts: 25

NaNoWriMo buddies: 7

 


Der Befreier - Kampf um GorTara 2
an excerpt

1. Zwielicht

Torben zog die Bremshebel seines Fahrrades durch und setzte einen Fuß auf den Boden, als er schlitternd zum Stehen kam. Er war sicher, einen Schrei gehört zu haben. Es war schon spät, sicherlich neun vorbei, und die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. Die Wege des Stadtwaldes waren menschenleer. Torben lauschte angestrengt. Gerade als er beschloss, dass er sich wohl doch verhört haben musste, waren ein Stück entfernt, weit abseits des Weges, Schritte im Laub zu vernehmen. Torben legte sorgfältig sein Fahrrad auf die Seite, einen Ständer hatte es schon länger nicht mehr, und ging langsam auf das Rascheln zu.
„Hallo?“, rief er dabei und ärgerte sich, dass seine Stimme einen unsicheren Klang hatte. Er räusperte sich und probierte es noch einmal.
„Hallo! Ist da jemand?“
Diesmal klang es schon besser, stellt er fest, laut und selbstbewusst. Mit festen Schritten ging er weiter, zwischen den vereinzelt stehenden Bäumen hindurch. Unter dem Blätterdach war es noch schwieriger, im schwindenden Licht etwas zu erkennen. Erschrocken schrie Torben auf, als wie aus dem Nichts mehrere Gestalten vor ihm auftauchten und ihn fast umrannten. Er taumelte etwas, als einer der Leute ihn an der Schulter anrempelte. Als Torben sich wieder gefangen hatte, war sein Gegenüber bereits in der Dunkelheit verschwunden. Verwirrt starrte Torben ihm nach. Er hätte schwören können, am Kopf des Mannes Ziegenhörner gesehen zu haben.
Er überlegte, ob er versuchen sollte, den Fremden zu folgen, aber aus einem inneren Gefühl heraus, das er sich selbst nicht erklären konnte, ging er stattdessen weiter in die Richtung, aus der die Gestalten gekommen waren.
Schon nach wenigen Schritten sah er ein Stück vor sich etwas Helles am Boden schimmern. Als er näher heran kam, erkannte er die Gestalt einer Frau in einem langen weißen Kleid, die mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden lag. Schnell lief Torben zu ihr hin und ließ sich neben ihr auf die Knie fallen.
„Hallo? Ist alles in Ordnung?“, fragte er, doch die Frau rührte sich nicht. Torben spürte einen Kloß im Hals. Er wollte weglaufen, zurück zu seinem Fahrrad, weg von hier, weg von dieser Situation, der er sich nicht gewachsen fühlte. Er könnte Hilfe holen. Irgendeinen späten Spaziergänger anhalten, der ein Handy dabei hatte, oder versuchen, eine Kneipe oder eine Pommesbude zu finden, von der aus er telefonieren konnte. All das schoss Torben in sekundenschnelle durch den Kopf, doch er rührte sich nicht vom Fleck. Langsam, als müsse er gegen einen Widerstand ankämpfen, streckte er die Hand nach der Schulter der Frau aus und drehte sie herum.

Sie war jung, sicher etwas älter als er, aber bestimmt nicht mehr als zwei oder drei Jahre. Torben schätzte sie auf etwa sechszehn. Ihre langen dunklen Haare hingen wirr vor ihrem Gesicht und sie war sehr blass. Ein Blutfleck breitete sich seitlich an ihrem Kleid aus. Torben tastete nach ihrem Hals. Dort müsste irgendwo ihr Puls zu spüren sein. Er konnte nichts finden, aber er war sich auch nicht sicher, ob er an der richtigen Stelle suchte. Sie hatten zwar irgendwann einmal im Biologieunterricht ihren eigenen Pulsschlag ertastet, aber das war schon eine Weile her und ehrlich gesagt war Torben sich schon damals nicht sicher gewesen, ob er wirklich seine Halsschlagader gefunden oder sich das pulsieren vielleicht nur eingebildet hatte. Auf jeden Fall fühlte sich die Haut des Mädchens beruhigend warm und lebendig an. Jetzt erkannte Torben auch, dass ihr Brustkorb sich leicht hob und senkte. Sie lebte also. Umso wichtiger war es aber, dass sie schnell Hilfe bekam. Er wollte sie nicht alleine hier liegen lassen, aber er hatte selber kein Handy und es schien immer noch niemand in der Nähe zu sein, den er um Hilfe bitten konnte.
Gerade als Torben sich dazu durchgerungen hatte, zu seinem Fahrrad zurück zu kehren und aufstehen wollte, stöhnte das Mädchen leise. Schnell beugte Torben sich wieder zu ihr hinunter.
„Hey! Kannst du mich hören? Bist du wach?“
Unbeholfen tätschelte er ihre Wange, wie er es manchmal im Fernsehen gesehen hatte. Als sie tatsächlich die Augen aufschlug, zog er seine Hand erschrocken zurück.
„Tschuldigung!“, sagte er. „Wie geht es dir? Ich meine, hast du Schmerzen?“
Sie versuchte zu sprechen, brachte aber nur ein heiseres Krächzen heraus und schloss die Augen wieder.
„Nein! Nicht wieder einschlafen!“, flehte Torben. „Guck mich an! Bitte, ich will dir helfen, aber ich muss wissen, was passiert ist.“
Sie schlug die Augen wieder auf. Diesmal klang ihre Stimme etwas deutlicher.
„Wo bin ich?“, fragte sie.
„Im Stadtwald. Du blutest. Bist du überfallen worden? Ich hab ein paar Typen gesehen, die weggelaufen sind.“
Das Mädchen versuchte, sich etwas aufzurichten, sank aber mit einem Stöhnen sofort wieder zurück.
„Bleib besser erst mal ruhig liegen“, sagte Torben.
„Der Stadtwald. Ja, jetzt weiß ich wieder. Sie haben uns gefunden. Wo sind Peleon und Lysanna? Sind sie okay?“
Wieder machte sie Anstalten, sich aufzurichten und Torben hielt sie sanft an der Schulter fest.
„Ich weiß nicht, wo deine Freunde sind. Du hast allein hier gelegen“, erklärte Torben.
„Wir haben uns getrennt, als sie uns angegriffen haben.“ Ihre Stimme klang jetzt kräftiger und ein Hauch von Farbe war in ihr Gesicht zurückgekehrt, auch wenn Torben sie immer noch geradezu unmenschlich blass fand.
„Ich sollte dir einen Krankenwagen rufen“, sagte er. „Meinst du, du hältst einen Moment alleine durch? Ich komme zurück so schnell ich kann.“
„Einen Krankenwagen?“, fragte sie und ihre Stimme klang leicht amüsiert. „Ich glaube, das lassen wir besser.“
„Aber du bist verletzt. Du warst bewusstlos. Ich finde, du gehörst ins Krankenhaus.“
„Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht“, erklärte das Mädchen. „Ich komme zurecht.“ Doch als sie sich jetzt tatsächlich aufsetzte, sah Torben, wie sich ihr Gesicht vor Schmerzen verzerrte und war sicher, dass der Blutfleck auf ihrem Kleid noch größer wurde.
„Du kommst überhaupt nicht zurecht“, sagte er so bestimmt, wie es ihm möglich war. „Du brauchst einen Arzt und zwar schnell.“
Er stand auf, entschlossen, jetzt wirklich zu seinem Fahrrad zu laufen, egal, was sie sagen würde. Doch gerade als er sich erhoben hatte, schoss ein geflügeltes Etwas heran und flatterte um sie herum. Im ersten Moment dachte Torben, es sei ein Vogel oder vielleicht eine Fledermaus, doch als die kleine Gestalt in der Luft abbremste, erkannte er, dass es eine winzige geflügelte Frau war, ungefähr so groß wie eine Barbie-Puppe. Torben öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber es fiel ihm beim Besten Willen nichts ein, was der Situation angemessen gewesen wäre. Stattdessen sprach jetzt die kleine fliegende Frau.
„Fianna! Was ist passiert?“
„Sie haben mich erwischt, wie es aussieht. Keine Ahnung, warum sie mich hier liegen gelassen haben. Wahrscheinlich ist ihnen dieser Junge dazwischen gekommen.“
„Bist du schlimm verletzt?“
Fianna schüttelte den Kopf.
„Nein, aber ich glaube nicht, dass ich laufen kann.“
„Ich hole Peleon. Er kann dich tragen. Und zu Hause hat Shandrike dich blitzschnell wieder zusammengeflickt.“
„Du weißt doch, was ich von ihr halte“, zischte Fianna. „Lieber verblute ich.“
Doch die winzige Frau flatterte davon, ohne dieser Bemerkung Beachtung zu schenken. Torben starrte ihr nach und ließ sich wieder auf den Boden sinken.
„Was um alles in der Welt war das?“, fragte er und starrte dem geflügelten Wesen hinterher.
„Lysanna? Eine Elfe natürlich“, antwortet Fianna, als sei das das Normalste der Welt.
„Es gibt Elfen? Und sie können fliegen?“, fragte Torben tonlos.
„Offensichtlich“, antwortete Fianna nur.
„Und wer hat dich angegriffen?“
„Ein Spähtrupp aus GorTara. Sie suchen nach uns. Ich hoffe, es war Zufall, dass sie gerade hier aufgetaucht sind.“
Diese Information half Torben nicht wirklich weiter. Ein Dutzend neue Fragen tauchten in seinem Kopf auf, doch bevor er sie stellen konnte, kam Lysanna zurück, gefolgt von einem dunkelhaarigen Mann in altertümlicher Kleidung. Ohne ein Wort zu verlieren kniete er neben Fianna nieder und nahm sie auf seine Arme. Er hatte keinerlei Mühe, sie hochzuheben, obwohl er Torben ziemlich klein und schmal vorkam. Fianna verzog das Gesicht und unterdrückte ein Stöhnen. Der Mann, von dem Torben annahm, dass er Peleon sein musste, sah sie besorgt an.
„Geht es?“
Fianna nickte.
„Es muss. Lass uns verschwinden, bevor sie mit Verstärkung wiederkommen.“
Er nickte ebenfalls und begann, Fianna davon zu tragen. Lysanna flatterte hinter ihnen her.
„Wartet!“, rief Torben ihnen nach. „Ihr könnt doch nicht so einfach verschwinden! Ich meine, was soll ich denn jetzt tun?“
Peleon wendete sich noch einmal um.
„Wie ist dein Name, Junge?“, fragte er.
„Torben. Ich heiße Torben.“
„Geh nach Hause, Torben“, sagte Peleon ernst. „Geh und vergiss, was du gesehen hast.“
Fianna sah ihn an und öffnete den Mund, wie um ihm noch etwas zu sagen, doch Peleon drehte sich wieder um und schritt weit aus. Torben starrte ihnen noch einige Minuten nach, bis er sich endlich soweit gefasst hatte, dass er zu seinem Fahrrad zurückkehren und nach Hause fahren konnte.

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